MusikstreifzugGraphicdesigncore: Double Dagger

DoubleDagger_ScottRussell

Wieder ein Post-Hardcore Trio von der US-Ostküste (vgl.). Diesmal aber nicht in Washington, D.C., sondern gute 70 km nordöstlich, in Baltimore, Maryland angesiedelt. Der Einfluss von FUGAZI ist dennoch nicht überhörbar: ähnlich wie diese verbinden DOUBLE DAGGER einen Mitt-80er Hardcore-Ethos mit krachigen Dissonanzen und dem postrockigem Bruch mit klassischen Rockformaten. Die intentionale Schludrigkeit in Arrangment, Sound und Umsetzung offenbart einen gewollten Bezug auf Punk, das bewusste Spiel damit verdeutlicht aber auch eine ebenso bewusste Abkehr von der dem Begriff ‘Punk’ als musikalisches Genre mittlerweile als Klischee eingeschriebenen Eindimensionalität. So verfallen DD nicht in eine Wiederholung von Immergleichem, sondern schaffen es mit enormer Kunstfertigkeit einen spröden, punkigen, unprätentiösen Indierock zu kreieren. Klingt in etwa so, als hätten sich UNWOUND, HONEY FOR PETZI und SLINT getroffen, um eine sowohl treibendere, als auch rotzigere Variante von JUNE OF 44 auf die Beine zu stellen. Das vom als “Post Typography” firmierenden Grafikdesign-Tandem Nolen Strals (voc) und Bruce Willen (bs) im Jahr 2002 gegründete Trio beschränkt sich dabei auf Schlagzeug, Bass und Gesang als Instrumentarium. Nach zwei Alben (“s/t”: Hit-Dat, 2003 und “Ragged Rubble”: Stationary Heart, 2007), diversen Kleinformaten auf verschiedenen Labels und einem Drummertausch, haben die drei nicht nur einen merklichen Qualitätssprung vollzogen, sondern mit Thrill Jockey auch ein dem gerecht werdendes Label gefunden. 2009 erschien dort das 10-Track-Album “More” (thrill215), im März 2010 die Song-EP “Masks” (thrill239).

Double Dagger – The Lie/The Truth (“More”: Thrill Jockey, 2009)
Double Dagger – Pillow Talk (“Masks”: Thrill Jockey, 2010)

posttypography.com/doubledagger | www.thrilljockey.com