MusikstreifzugTrap Them: Old Graves Digging The New

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Southern Lord haben mit THE SECRET, NAILS, THOU und BLACK BREATH im Jahr 2010 so einige Hardcore-Formationen auf ihren Düster-Dampfer gelockt. Teil dieser Welle ist auch die Chaos-Truppe TRAP THEM aus dem amerikanischen Nordwesten (jetzt mit ex-COLISEUM-Schlagzeuger Chris Maggio an Bord). Mit “Filth Rotatios” (LORD115, 2010) legen diese ihr bislang bestes Release vor. TRAP THEM klingen hier weiter gereift, was eigentlich bedeutet: Ihr metallischer, durch komplexe und disharmonishce Gitarrenarbeit sowie D-Beat- und Grindcore-Drumming gekennzeichnete Sound kommt nun direkter, fieser, erbarmungsloser, aber auch diversifizierter als je zuvor. Die am Ende des Songs “Day Forty: Dead Fathers Wading In The Bodygrounds” bis zum Erschaudern repetierte Textzeile “We are the old graves digging the new” erscheint beinahe wie eine selbstreflexive Zusammenfassung des eigenen Schaffens: In der durch einen zeitgenössischen auditiven Filter geschickten Summierung alter Stile, wie schwedischem Death Metal, britischem Grind, angepisstem Punk und grobem Hardcore, erschaffen TRAP THEM ihren bemerkenswerten, genre­übergreifenden Heavy-Sound.

Trap Them – Day Forty: Dead Fathers Wading In The Bodygrounds (“Filth Rotations”: Southern Lord, 2010)

“Filth Rotations” ist ein exklusives Vinyl-Only-Release auf Southern Lord. Die einseitig bespielte 12″ kommt mit Artwork und B-Seiten-Etching von Justin Bartlett.

www.trapthem.net | www.southernlord.com

MusikstreifzugGlassJaw: Unstetig, Unkonventionell, Unbequem – Und Auf Einmal Wieder Da!?

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Irgendwie scheinen GLASSJAW wieder voll da zu sein – sympathischerweise ohne vorlaute Pauken und Trompeten. Ganz ohne Medienrummel veröffentlichte die (wieder einmal) neu formierte Kapelle um Daryl Palumbo 2010 fünf neue Songs auf fünf einseitig bespielten 7″es. Diese fünf Songs sind jetzt als “Our Color Green” EP zusammengefasst digital verfügbar. Stilistisch knüpfen GLASSJAW dort an, wo sie 2002 mit “Worship & Tribute” aufgehört haben. Allerdings wirken die Songs sowohl vom Songwriting, als auch vom Sound her etwas skizzenhaft, weshalb sich der ganz große Höhrgenuss nicht einstellen will. Ein komplettes Album ist wohl in Planung. Bleibt nur zu hoffen, dass an den offensichtlichen Defiziten bis dahin noch gearbeitet wird.

Glassjaw – You Think You’re (John Fucking Lennon) (“Our Color Green”: 2011)

www.glassjaw.com

MusikstreifzugAss: Über Salzwiesen Watend

Salt-Marsh

Der im schwedischen Stockholm wohnende Multiinstrumentalist Andreas Söderström hat als ASS mit “Salt Marsh” erneut ein Album voll mit nach Ruralität klingenden Folk-Träumereien zusammen gestellt. Während die beiden Vorgänger “Ass” und “My Get Up And Go Just Got Up And Went” dabei eine gespenstische Atmosphäre von melancholischer Düsterkeit offenbarten, erstrahlen die sieben Songs des aktuellen Albums hingegen in einem bemerkenswert satten und lebensfrohen Klang. Das Instrumentarium wurde erweitert (Harmonium, Marimba, Fender Rhodes, Drehleier, etc.), subtil Einflüsse aus Jazz und Spuren von Psychedelia in die instrumentalen Folk-Kompositionen eingewebt. Die Stücke sind zudem durchzogen mit unaufdringlicher Perkussion und wunderbar atmosphärischen Ambienzen, weshalb sie in ihrer Machart immer wieder an die Musiken von James Blackshaw oder auch TUNNG erinnern.

Das Album “Salt Marsh” ist im Juli 2010 als HEAD009 vom schwedischen Label Headspin veröffentlicht worden und ist als CD sowie als Download zu haben.

myspace.com/assmyass | www.headspinrecordings.com

MusikstreifzugGrails: Neues Album “Deep Politics”

Die GRAILS aus Portland, Oregon sind ja nicht nur für ihre etwas sonderbare Musik, sondern auch für obskure Visual-Ästhetik bekannt. Der Teaser zum für März 2011 auf Temporary Residence angekündigten, neuen Studioalbum “Deep Politics” wartet – natürlich – auch wieder mit einer Menge Bizarrem auf: Zu einem totraurigen Trompetenlauf wird dort zunächst ein Sarg auf dem Weg in die Tiefe begleitet. Anschließend setzt eine softe 70er-Jahre-US-Fernsehserien-Melodie ein, zu der an den Strand gespühlte Leichen und diverse von Menschenhand verübte Umweltsünden gezeigt werden. Erneut mächtig schräg und etwas irritierend. Es bleibt abzuwarten, wieviel von Sound und Visuellem des Clips dann letztendlich tatsächlich auf der Platte wieder zu finden ist.

www.grailsongs.com | www.temporaryresidence.com

MusikstreifzugKangding Ray: Konstruktiv

KangdingRay-Live

Als KANGDING RAY konstruiert der in Berlin wohnhafte Soundtüftler David Letellier anspruchsvolle, von hoher Musikalität zeugende Elektronika. Sein zweites Raster-Noton-Album “Automne Fold” überzeugt mit der Weiterentwicklung des auf dem 2006er Debüt-Album “Stabil” etablierten Soundgefüges: Aus einer sehr feingliedrigen Zusammenbringung von synthetischen und analogen Klängen gelingt ihm eine labeltypisch irgendwie “experimentell” anmutende Musik, die dabei jedoch stets sehr zugänglich bleibt. Über seine präzisen Micro-Beat-Gerüste und eckigen Digital-Klänge breitet er kratzige Artefakte, stotternden Digitalschrott, breitflächige Drones und auch Sounds analoger Instumente (Violine, Piano) aus. Einzelne Tracks werden zudem mit behutsamen Stimmbeiträgen versehen. Trotz aller Synthetik und Abstraktion klingt “Automne Fold” dabei ausgesprochen warm. Ein nahezu perfekter Soundtrack für diese kalte, nasse und dunkle Jahreszeit.


Raster-Noton hat “Automne Fold” (r-n094) urspünglich schon 2008 veröffentlicht, in diesem Jahr aber ein Re-Release davon in Umlauf gebracht. Das Album kann, ebenso wie die neue KANGDING RAY EP “Pruitt Igoe”, via soundcloud.com/kangding-ray/sets komplett gestreamt werden. Für Anfang 2011 ist ein neues Album auf Raster-Noton angekündigt.

www.kangdingray.com | www.raster-noton.net

MusikstreifzugThe Book Of Travels: Istanbul

Die Musik und das Sounddesign des kurzen Films “Istanbul” von Suki Chan stammen vom in Berlin lebenden Norweger Erik K Skodvin (aka Svarte Greiner).

Chans Film ist Teil der Ausstellung “The Book Of Travels“. Diese basiert auf den Erlebnisnotizen des im 17. Jahrhundert lebenden, durch einen Traum zum Reisen durch das Osmanische Reich inspirierten Evliya Celebi. Er berichtet darin u.a. von beständiger Kommunikation, intensivem Austausch und regem Handel mit Kaffee, Musik, Medizin, Architektur und Geschichten zwischen dem Osmanischen Reich und Europa. “The Book Of Travels” wurde in Kooperation von British Council, Maslaha and Effusion im Rahmen des “Our Shared Europe“-Projekts initiierten, welches die ständige gegenseitige Beeinflussung und den Austausch von Ideen zwischen muslimischen und europäischen Individuen und Gesellschaften zu beleuchten versucht.

www.miasmah.com/eks | www.sukichan.co.uk | www.thebookoftravels.org

MusikstreifzugFrodus: Neues Aus Dem Soundlab

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Gut zehn Jahre nach der Trennung sind FRODUS im letzten Jahr zur großen Überraschung vieler auf einmal wieder auf den Plan getreten. Jetzt liegt mit “Soundlab 1″ (Lovitt) der erste Tonträger der Post-Hiatus-Phase vor. Neben den beiden Gründungsmitgliedern Shelby Cinca (THE CASSETTES, FRANTIC MANTIS, DECAHEDRON) und Jason Hamacher (DECAHEDRON, COMBATWOUNDEDVETERAN, BATTERY) ist nun der ehemalige STARKWEATHER und atuelle DILLINGER ESCAPE PLAN Bassist Steve Wilson dritter Mann im Post-Hardcore-Boot. Die beiden neuen Songs des Trios aus Washington, D.C. sind weniger Anknüpfung an die subtil geschichteten Sounds des phänomenalen 2001er Albums “And We Washed Our Weapons in the Sea” (Day After, 2000), sondern eher eine Rückkehr zu den wuchtig-krachigen Math-Hardcore-Verknotungen des seiner Zeit auf Tooth & Nail veröffentlichten Albums “Conglomerate International” (2009 DoLP-Reissue via Gilead Media).

<a target="_blank" href="http://lovitt.bandcamp.com/album/soundlab-1" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/lovitt.bandcamp.com/album/soundlab-1?referer=');">FRODUS Soundlab 1 by Lovitt</a>

Auch nach einer Dekade Funkstille klingen FRODUS noch immer enorm kraft- und elanvoll und lassen so manch andere aktuelle Post-Hardcore-Versuche ziemlich blass erscheinen.

www.frodus.com | www.lovitt.com

MusikstreifzugMogwai: How To Be A Werewolf (Clip)

Anthony Crooks Kurzfilm “Thirty Century Man” begleitet James Bowthorpe, den Weltrekordhalter für die schnellste Weltumrundung per Fahrrad, auf der Fahrt durch eine menschenleere, norwegische Landschaft. Den Soundtrack liefern MOGWAI: Diese Version des Songs “How To Be A Werewolf” wurde exklusiv an den Film angepasst. Die eigentliche Version des Stückes wird auf MOGWAIs am 15.Februar 2011 bei Subpop erscheinenden siebten Studioalbum “Hardcore Will Never Die, But You Will” enthalten sein. [via]

MusikstreifzugBluebridge Quartet: Smålandjazz

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Die Formation BLUEBRIDGE QUARTET hat 2007 mit der wunderbar entspannten EP “Adjusted for low noise tape” ein bemerkenswertes Debüt abgeliefert. Die Musik der Schweden lässt sich grob zwischen den Landschaften malenden Postrock-Kaskaden der Marke TORTOISE und trippigem NuJazz a la Eivind Aarset verorten. Die live und ungeschnitten aufgezeichneten Stücke sind stets lebhaft und auf den Punkt gespielt. Das Ganze überzeugt weniger durch herausragende individuelle Leistungen einzelner Bandmitglieder, beeindruckende Improvisationen oder abstrakte Progressivität, sondern fasziniert als kompakte Team-Leistung. Ein ruhiger, aber anspruchsvoller, atmosphärischer NuJazz.

Bluebridge Quartet – Spektrum (“Adjusted for low noise tape”: Aerotone, 2007)

“Adjusted for low noise tape” ist beim Münchener Netlabel Aerotone erschienen und steht auf www.archive.org legal zum freien Download zur Verfügung.

myspace.com/bluebridgequartet | www.aerotone.net

MusikstreifzugOceansize – Superimposer (Clip)

Ein ganz frischer Musikclip der englischen Prog-Indie-Rocker OCEANSIZE zum Song “Superimposer” (von “Self Preserved While The Bodies Float Up“: Superball, 2010). Das hübsche Macro-Shot-Video zeigt abstrahierte Gesichter und gegen Plexiglas gepresste, schillernd leuchtende Flüssigkeiten. – Trivia: Mit Mirko Beutler ist hier übrigens ein Mann als Director of Photography Teil des Produktionsteams gewesen, der aus dem gleichen Kaff im Harz kommt wie meine Wenigkeit.

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