
Auf taz.de fand ich heute mit dem Artikel “Das popjournalistische Quartett – Reform bei Musikzeitschrift Spex” von Lukas Dubro einen Beitrag über die Diskussion von Sinn und Unsinn von Plattenrezensionen im Internetzeitalter – einer Zeit also, in der sich jeder Musikinteressierte vielfältigste Informationen über Künstler sowie auch konkrete Klänge nach Gusto via Mausklick beschaffen kann, ergo nicht auf eine deskriptive Vorfilterung von Irgendwem angewiesen ist.
Aufhänger des Artikels ist der Fakt, dass im Hause Spex seit Anfang des Jahres dieser vermeintlichen, durch die Schnelligkeit des Internets bedingten Unnötigkeit von Tonträgerrezensionen mit einer aufoktroyierten Vielstimmigkeit zu begegnen versucht wird. In Zukunft rezensieren dort nun im „Pop-Briefing“ jeweils mehrere Redakteure diskutierend eine Platte – mit dem einer gewissen Ironie nicht entbehrendem Ergebnis, dass die Rezensionen der Zeitschrift fortan genau das sind, was das Internet auch zu offerieren vermag: ein vielstimmiges „Jeder-gibt-seinen-Senf-dazu“. Auf der Suche nach Qualitäten, die durchschnittliche Musikblogs nicht bieten können, verhaspelt sich die Spex also in der Heimat derselben: in den Weiten der Positionslosigkeit.
Statt solcher postmodernen Zerredung von Musik, wäre es meiner Meinung nach wohl richtiger (und wirklich nötiger) sich ausführlich und vor allem kritisch mit dem Gegenstand zu beschäftigen, um so einer Oberflächlichkeit mit Diskurs, Tiefe und Kontextualisierung zu begegnen. Im Sinne einer solchen “qualifizierte Langsamkeit” fordert der Pop-Theoretiker Diedrich Diedrichsen, statt der allgegenwärtigen Lobhudelei von Lieblingsmusiken der Autoren, eine “schroffe Ablehnung des ganzen Scheiß” lesbar zu machen (vgl.). Der Fokus sollte darauf liegen, sich mittels Intensität und Gehalt einen Relevanzvorsprung gegenüber dem massenhaft vertretenen Egalem zu erarbeiten.
Da eine blass plappernde Berichterstattung ja gar kein exklusives Phänomen des Internets ist – wie uns die im taz-Artikel zu Wort kommenden Chefredakteure Max Dax (Spex) und Dennis Plauk (Visions) frech weiß machen wollen -, spielt es eigentlich keine Rolle, in welcher Form und an welchem Ort dies dann geschieht. Sowohl Print, als auch Web könnten ein Mehr an Tiefgang gut vertragen. Es kommt einfach auf die Inhalte von Texten an: deren Publikationsorte bieten keine Auskunftsbasis für ihre etwaige Konstitution, wenn diese Profundes liefern.
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