Auf taz.de erscheint seit kurzem eine Essay-Reihe zu einem derzeit rege diskutiertem Thema, der “Zukunft der Musikkritik”. Nachdem Wolfgang Fromberg (Intro) und Jörg Sundermeier (Verbrecherverlag) in den ersten beiden Beiträgen zwar einige ganz richtige Gedanken entwickeln, diese aber nicht konsequent auf den Punkt zu bringen vermochten und Hannah Pilarczyk (Neon) in Teil 3 der Debatte irgendwie seltsam am Thema vorbei geschrieben hatte, gibt es in Beitrag 4 eine wunderbar aufgeräumte und auf den Punkt gebrachte Position zu lesen.
Die freie Journalistin Nadja Geer (taz, Die Zeit, Spex) formuliert darin resümierend einen Grundsatz, den sich so mancher Rezensent mal in Großdruck an die Pinnwand an seinem Arbeitsplatz heften sollte:
Kritik soll nicht lecker schmecken,
sondern ein Bewusstsein schaffen und sensibilisieren.
Geer hat ganz richtig erkannt: Die auf den Hund gekommene Popkritik krankt im Wesentlichen nur an sich selbst! Advertorialpraxis und Selbstdarstellungsdrang haben sie zu einer Ware verkommen und damit für ihre Absichten wirkungslos werden lassen. Sich teilweise auf die Darstellung ihrer Vorredner beziehend, fordert Geer von Popkritik Inhalt statt Ego. Das zu Kritisierende muss wieder in den Mittelpunkt rücken – und darin deckt sich ihre mit meiner Meinung -, um einer Oberflächlichkeit mit Diskurs, Tiefe und Kontextualisierung zu begegnen. Das Ego solle nicht zur Formierung, sonder zur Formulierung benutzt werden.
Als Basis für eine prüfenden Beurteilung sollte all dies eigentlich dem Selbstverständnis jedweder Kritik immanent sein. Die aktuelle Orientierungslosigkeit der Popkritik und die daraus resultierende nach Frischluft schnappende Diskussion ihrer Aktanten ist jedoch ein Hinweis darauf, dass dies längst nicht so selbstverständlich zu sein scheint. Deshalb kann es gar nicht oft und laut genug wiederholt werden: Popkritik muss aufhören, zu kuschen!

























