MusikstreifzugBlack Congress: Auch im Himmel gibt es Slums!

blackcongress_picture

Eine frische Band aus den südlichen USA, die es wert ist gehört zu werden: BLACK CONGRESS finden in der Verbindung von Noise (AKIMBO, MADE OUT OF BABIES) und Modern Hardcore (CURSED, TRASH TALK) einen eigenen, wuchtigen Sound.

Einzelne Mitglieder der Formation aus Houston, Texas sind u.a. bei Bands wie FATAL FLYING GUILLOTEENS, MYLUCK und SECRET PROSTITUTES aktiv gewesen sowie als Betreiber des Dead City Sound-Studios (BY THE END OF TONIGHT, MAMMOTH GRINDER, THE JONBENET u.a.) tätig. Als BLACK CONGRESS bringen die Houston-Veteranen schleppende Monotonie, furiose Wildheit und ungezügelte Wuchtigkeit passig zusammen. Das klingt dreckig, düster, abgefuckt und wild. Ein metallisches Post-Hardcore-Biest mit Tiefgang, dass mich grob an das Londoner Nerd-Trio PART CHIMP sowie die italienische Krachinvasion DEAD ELEPHANT erinnert.

<a target="_blank" href="http://blackcongress.bandcamp.com/track/slums-of-heaven" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/blackcongress.bandcamp.com/track/slums-of-heaven?referer=');">Slums of Heaven by Black Congress</a>

<a target="_blank" href="http://blackcongress.bandcamp.com/track/londons-burning" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/blackcongress.bandcamp.com/track/londons-burning?referer=');">London&#8217;s Burning by Black Congress</a>

Unlängst sind auf Team Science zwei 7″es der Band in Kleinstauflagen (je 250 St.) erschienen. Beide Scheiben sind via Bandcamp komplett im Stream zu hören. Dicke Empfehlung!

MusikstreifzugUzeda is a Sicilian math rock group

uzeda_bandshot

In Ermangelung an zufrieden­stellenden aktuellen Tonträgern hab ich mich in den letzten Tagen ein wenig durch die Post-Hardcore-, Math- und Noise-Rock-Historie gewühlt. Dabei bin ich auf UZEDA gestoßen, eine Band, an der ich aus mir unerfindlichen Gründen bisher immer vorbei geschrammt bin. Dieses Mal bin ich hängen geblieben.

Der Bandname der sizilianischen Formation weist einen starken lokalen Bezug auf: Er leitet sich von der ursprünglichen Bezeichnung einer Straße in der Inselhauptstadt Catania her, welche durch die gesamte Altstadt, geradewegs auf den noch heute aktiven Vulkan Ätna zu läuft. UZEDA formierten sich bereits in den späten 1980er Jahren, zu einer Zeit also, in der Schrägbastler aus dem Dischord- und Touch and Go-Umfeld den Ton im Krachuntergrund angaben. Kaum verwunderlich also, dass der Sound der Italiener gewisse Parallelen zu Bands wie FUGAZI, SLINT und THE JESUS LIZARD aufweist.

Während das 1991er Debüt-Album “Out Of Colors” (AVR001) noch etwas unausgegoren dahin wabert und leicht unschön nach Spät-90er-Mainstream-Rock-Versuch klingt, brachte eine für das Nachvolgealbum initiierte Zusammenarbeit mit Steve Albini eine hörbaren Sound-Differenzierung und -Ausdefinierung mit sich. “Waters” (AVR006, 1993) ist wild dynamisch, rhythmisch vertrackt und dabei deutlich schräger, nervöser, feuriger, sludgiger, unberechenbarer als sein Vorgänger. Was ja dank Albini-Connection eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein schien, wurde dann auch schon wenig später konkret: Touch And Go nahm sich der Band an und sorgte mit der Veröffentlichung der EP “4″ (TG152, 1995) dafür, dass Chicago nicht nur musikalischer Anknüpfungspunkt für UZEDA blieb, sondern tatsächlich musikalische Heimat der Band wurde. Die durch den Abgang von Gitarrist Giovanni Nicosia erfolgte Diminution zu einem Quartett, in Kombination mit der erneuten Zusammenarbeit mit Albini bewirkten eine, sich sowohl in Soundästhetik, als auch in der Reduziertheit im Songwriting ausdrückende, SHELLAC-Färbung des 1998 veröffentlichten “Different Section Wires” (TG186).

Dem dritten Album folgte eine lange Bandpause, in der sich die Musiker anderen Projekten widmeten. So gründeten etwa Sängerin Giovanna Cacciola und Gitarrist Agostino Tilotta gemeinsam mit DON CABALLERO-Drummer Damon Che die Band BELLINI. Schlagzeuger Davide Oliveri und Bassist Raffaele Gulisano arbeiteten gemeinsam mit der italienischen Rockröhre Gianna Nannini an deren 2001er Album “Aria”. 2006 meldeten sich UZEDA mit einem neben SHELLAC auch an das FUGAZI-Spätwerk erinnernden Album eindrucksvoll zurück. Erneut von Albini aufgenommenen und via Touch And Go publiziert ist “Stella” (TG298) das bislang letzte musikalische Lebenszeichen der Schrägrocker aus Süditalien.

Uzeda – I’m Getting Older (“Waters”: A.V. Arts, 1993)
Uzeda – Nico And His Cats (“Different Section Wires”: Touch And Go, 1998)
Uzeda – From The Book Of Skies (“Stella”: Touch And Go, 2006)

Entzerrung: LabelTemporary Residence ::Entzerrung

plattenlabel_temporaryresidence

What’s the full name of your label? Which city is the home of your label? Do you run any sub-labels?
Temporary Residence Ltd, Brooklyn, New York, USA.

Why did you choose that name? Which meaning do names of labels have for their work?
I moved to many different houses and apartments when I first started the label, so the name seemed appropriate.

When did you start the label? What where initial motivations, what the initial idea?
December 1995. I started it to release my own music, as well as the music of my closest friends and collaborators.

How many people do work for the label?
Three.

What criteria decide about whether you release a record or not?
If I love it and know that I could support with full and true conviction, then I know I would want to release it.

Vinyl, CD or MP3? And why?
They each have strengths and weaknesses. I don’t think there is one perfect format.

Which record from your back-catalog represents the label best, aesthetically, ethically and musically?
“TRR50: Thank You” is a wonderful representation of the label as it is a compilation featuring several of our artists, but our musical aesthetic is extremely diverse and cannot be adequately represented by one release.

Black Heart Procession – Rats (“Six”: Temporary Residence, 2009)
Maserati – Monoliths (“Passages”: Temporary Residence, 2009)
Grails – Reincarnation Blues (“Doomsdayer’s Holiday”: Temp Res, 2008)
Cex – Rattlebin (“Sketchi”: Temporary Residence, 2009)
Young Widows – Old Skin (“Old Wounds”: Temporary Residence, 2008)

www.temporaryresidence.com

MusikstreifzugKlänge aus einer Zwischenwelt: Year Of No Light

yearofnolight_bandpic

Die französischen Metal-Sinfoniker von YEAR OF NO LIGHT legen vier Jahre nach dem atembe­raubendem “Nord” ihr zweites Album vor – und wissen abermals zu beeindrucken. Die spröde Unmittelbarkeit früherer Tage ist einer distanziert-reflektierten Erhabenheit gewichen. YONL klingen jetzt breiter und filigraner als je zuvor, haben deutlich an Tiefgang hinzu gewonnen. „Ausserwelt“ beginnt mit einem Leuchten, setzt sich auf dunkleren Pfaden fort und endet in völliger Schwärze. Namensgebung und Klangmaterial beziehen sich auf das abstrakte Konzept einer Zwischenwelt, welche Anteile von Realität, aber auch Bruchstücke von Unbekanntem, Unsichtbarem enthält. Das Album ist nun wie eine Reise in diese Welt konzipiert; eine Reise, die in erster Linie eine introspektive ist. Die musikalische Umsetzung dessen realisiert das Ensemble indem es sich Zeit für Entwicklung und Durchführung des musikalischen Materials nimmt; sie geben dem Klang Luft zur Entfaltung. Auf einem kraftvollen Fundament von ruhelosem, aber klar definierendem Schlagzeugspiel weben drei Gitarren ein dichtes Netz aus Melodie, Fläche, Feedback und brutal kraftvollen Akkorden, in welches beizeiten zudem auch noch Synthie-Sounds eingeflochten werden. Die so in minutenlangen Spannungsbögen ausgeführte Klangschichtung erzeugt eine enorme Detaildichte. In einer gelungenen Zusammenführung von Shoegaze, Doom, Sludge und Death Metal kreieren YONL auf „Ausserwelt“ eine subtile und vielschichtige Musik, die viel Licht und viel Düsterkeit passig zusammen bringt und damit das Abstraktum „Zwischenwelt“ adäquat darzustellen vermag.

Year Of No Light – Perséphone: Enna [Extract] (“Ausserwelt”: Conspiracy, 2010)

“Ausserwelt” ist via Conspiracy Records (CD: core089) und Music Fear Satan (2xLP: MUF009) erschienen und seit Ende April käuflich zu erwerben.

MusikstreifzugThese Monsters: Wollen Drachen genannt werden

thesemonsters_band

England sorgt immer wieder für musikalische Frischluftzufuhr; aktuell u.a. in Form von THESE MONSTERS. Das Quartet aus Leeds weiß irgendwo zwischen Noise, Sludge und Prog eine spannende, abgedrehte Instrumentalmusik zu kreieren, ohne auch nur annähernd an die Grenzen der Unhörbarkeit zu gelangen. Das Debütalbum “Call Me Dragon” erschient auf Brew (CD) und Function (Vinyl). Releasedate für das europäische Festland ist der 10. Mai 2001 (UK: 1.März 2010). Bei Bandcamp ist das Album in Gänze zu hören, den Titeltrack gibt es direkt hier:

These Monsters – Call Me Dragon (“Call Me Dragon”: Brew, 2010)

Ende Mai ist das Quartet für drei Konzerte in Deutschland, um den ihm vorraus eilenden Ruf als exzellente Live-Band unter Beweis zu stellen: 26.05.10 Hamburg, Astra Stube, 28.05.10 Leipzig, Superkronik, 29.05.10 Berlin, Schokoladen.

MusikstreifzugMit der Sonne lachen: Chicago Underground

chicagoUnderground_bocaNegraBand

Unter dem Namen CHICAGO UNDERGROUND firmiert ein loses Impro-Jazz-Kollektiv aus Chicago, als dessem Zentrum Kornettspieler Rob Mazurek (u.a. EXPLODING STAR ORCHESTRA, SAO PAULO UNDERGROUND, MANDARIN MOVIE) und Schlagzeuger Chad Taylor (Live-Musiker bei IRON AND WINE, Marc Ribot u.a.) fungieren. Seit 1998 haben die beiden fünf Alben als Duo und sechs weitere als Teile größerer – dann entsprechend als Trio, Quartet oder Orchestra ausgewiesen – CU-Formationen veröffentlicht. Nach vier Jahren Funkstille ist unlängst via Thrill Jockey das Album “Boca Negra” (thrill228) erschienen. Der Sound ist für ein Duo verhältnismäßig vielfältig und dicht, was daran liegt, dass die Musiker allerlei Instrumentarium verwenden. Während Mazurek neben seinem Blasinstrument noch Klavier und Orgel spielt und zudem noch für analoge und elektronische Störgeräusche sorgt, ist es Taylor dank einer speziellen Konstruktion möglich neben diversen Perkussionsinstrumenten auch gleichzeitig noch Vibrafon zu spielen. Neben sehr klangexperimentellen, fast droneartigen Stücken, versucht sich das Duo auf dem neuen Album auch an Brückenschlägen vom Kaschemmen-Jazz zum Postrock. Das Duo zeigt sich dabei etwa ähnlich spielfreudig wie THE BAD PLUS, geht mit dem musikalischen Material aber spielerischer und behutsamer als die New Yorker Kollegen um. War für die Produktion des letzten Albums “In Praise Of Shadows” noch John McEntire, einigen wohl als Mitglied der Chicagoer Postrock-Pioniere TORTOISE bekannt, verantwortlich, so begab man sich für die Aufnahmen nun zum ersten Mal aus Chicago hinaus. In Sao Paulo, Brasilien sorgte mit Matt Lux (Bassist von IRON AND WINE, ISOTPE 217 u.a.) ein alter Weggefährte der beiden für die adäquate Aufzeichnung des klanglichen Hochgenusses.

Chicago Underground – Spy On The Floor (“Boca Negra”: Thrill Jockey, 2010)

Chicago Underground @Thrill Jockey

MusikstreifzugThey’ve Got Blood Like We’ve Got Blood

WomanBurqa_AhmadMasood

Krautrockig, kunstvoll, kritisch. “They’ve Got Blood Like We’ve Got Blood” ist eine auf 125 Stück limitierte und längst vergriffene CD-R EP der WHITE HILLS. Das gute Stück erschien 2005 auf dem britischen Label Fuck Off & Di. (Foto: Ahmad Masood [via])

White Hills – Coming For You (© Fuck Off & Di)

MusikstreifzugBlonde Redhead: Lebenszeichen.

blonde_redhead_2

Bedeckt hält sich das Trio aus New Yor City ja seit jeher. Drei Jahre sind seit dem letzten Album “23″, ja seit dem letzten wirklichen Lebenszeichen von BLONDE REDHEAD überhaupt ins Land gezogen. Anlässlich des Record Store Day (17.April 2010) hat 4AD nun eine limitierte 12”-Vinyl Compilation-EP namens “Fragments” (BAD3X17) veröffentlicht, auf der sich neben Stücken von GANG GANG DANCE und ARIEL PINK’S HAUNTED GRAFFITI eben auch ein neuer Track von BLONDE REDHEAD befindet. Dieser macht dem EP-Namen allerdings alle Ehre: “Not Getting There” ist als knapp zweiminütiges Song nur fragmentarischer Appetizer für das nächste Album. Wann das kommt ist – na klar! – derzeit völlig offen. Gut ist die Klangkost dennoch. [via]

Blonde Redhead – Not Getting There (“Fragments”: 4AD, 2010)

www.4ad.com | www.blonde-redhead.com

MusikstreifzugKontrahenten einschüchtern: Trash Talk

trashtalk_livepic

Eine der wuchtigsten aktuellen Hardcore-Formationen kommt aus der kalifornischen Hauptstadt Sacramento und hört auf den Namen TRASH TALK. Die Band schafft es eine angenehme Ballance zwischen modernen, zeitgemäßem Klängen und der punkigen Rumpeligkeit des Früh-1980er-Hardcores zu bewahren. So klingen die Songs wuchtig und frisch, ohne aufgeblasen oder aufgesetzt zu wirken. Das neue 10-Song-Album “Eyes & Nines” erscheint digital am 18.Mai und als Tonträger dann am 8.Juni 2010. Das Album wird wie alle bisherigen Releases in guter, alter Hardcore-Manier von der Band in Eigenregie herausgebracht. Zur Überbrückung der Wartezeit gibt es hier den fantastischen Song “Explode” zu hören.

Trash Talk – Explode (“Eyes & Nines”: Trash Talk Collective, 2010)

www.trashtalkhc.com

MusikstreifzugGraphicdesigncore: Double Dagger

DoubleDagger_ScottRussell

Wieder ein Post-Hardcore Trio von der US-Ostküste (vgl.). Diesmal aber nicht in Washington, D.C., sondern gute 70 km nordöstlich, in Baltimore, Maryland angesiedelt. Der Einfluss von FUGAZI ist dennoch nicht überhörbar: ähnlich wie diese verbinden DOUBLE DAGGER einen Mitt-80er Hardcore-Ethos mit krachigen Dissonanzen und dem postrockigem Bruch mit klassischen Rockformaten. Die intentionale Schludrigkeit in Arrangment, Sound und Umsetzung offenbart einen gewollten Bezug auf Punk, das bewusste Spiel damit verdeutlicht aber auch eine ebenso bewusste Abkehr von der dem Begriff ‘Punk’ als musikalisches Genre mittlerweile als Klischee eingeschriebenen Eindimensionalität. So verfallen DD nicht in eine Wiederholung von Immergleichem, sondern schaffen es mit enormer Kunstfertigkeit einen spröden, punkigen, unprätentiösen Indierock zu kreieren. Klingt in etwa so, als hätten sich UNWOUND, HONEY FOR PETZI und SLINT getroffen, um eine sowohl treibendere, als auch rotzigere Variante von JUNE OF 44 auf die Beine zu stellen. Das vom als “Post Typography” firmierenden Grafikdesign-Tandem Nolen Strals (voc) und Bruce Willen (bs) im Jahr 2002 gegründete Trio beschränkt sich dabei auf Schlagzeug, Bass und Gesang als Instrumentarium. Nach zwei Alben (“s/t”: Hit-Dat, 2003 und “Ragged Rubble”: Stationary Heart, 2007), diversen Kleinformaten auf verschiedenen Labels und einem Drummertausch, haben die drei nicht nur einen merklichen Qualitätssprung vollzogen, sondern mit Thrill Jockey auch ein dem gerecht werdendes Label gefunden. 2009 erschien dort das 10-Track-Album “More” (thrill215), im März 2010 die Song-EP “Masks” (thrill239).

Double Dagger – The Lie/The Truth (“More”: Thrill Jockey, 2009)
Double Dagger – Pillow Talk (“Masks”: Thrill Jockey, 2010)

posttypography.com/doubledagger | www.thrilljockey.com

Seite 8 von 9 Anfang 3456789 Ende