MusikstreifzugLocrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche

[Locrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche]

Nachdem das phänomenale “The Crystal World” direkten Bezug auf den gleichnamigen SciFi-Roman von James Graham Ballard nahm, erinnert die Cover-Fotografie des neuen LOCRIAN-Werkes “The Clearing” an die menschenleeren Gemäuer der überfluteten Zivilisationsreste in dessen Roman “The Drowned World”. Dass die Musik LOCRIANs und das Werk des britischen Schriftstellers immer wieder Schnittstellen aufweisen, ist wenig überraschend, sind doch beide Beschreibungen von endzeitlichen Szenarien.

LOCRIAN zelebriert auch auf “The Clearing” seine typisch zähe und düstere Verschmelzung von Drone-, Noise- Ambient- und Black Metal-Partikeln. Die mittlerweile zum Trio angewachsene Formation um Terence Hannum, André Foisy & Steven Hess beeindruckt dabei mit seiner Musikalität, mit seiner Fähigkeit, die Stücke mit Geduld auszubreiten, mit seinem Vertrauen in elementare Rhythmen, über die sie ihre düsteren Ambienzen schichten. Diverse Musiker haben schon den dichten, schwarzen Experimentalismus der Chicagoer Noise-Avantgardisten zu imitiern versucht, aber LOCRIAN bleibt einfach eine Klasse für sich!

“The Clearing” wurde am 1.November 2011 von Fan Death (FDR-028) als Vinyl-LP (inkl. Download-Code) veröffentlicht.

Entzerrung: LabelGilead Media ::Entzerrung

[Gilead Media ::Entzerrung]

What’s the full name of your label? Which city is the home of your label?
Do you run any sub-labels?
Gilead Media. No sub labels. City is Oshkosh, WI, USA.

Why did you choose that name?
Which meaning do names of labels have for their work?
I choose the name based on my love for The Dark Tower book series. Gilead is the name of an important place in those books. For me the label name is just something I pulled from my nerdy background that I could slap on records and make me feel entertained that it was based on sci-fi lit.

When did you start the label?
What where initial motivations, what the initial idea?
I started the label in 2005. I just wanted a label I could release some of my own music projects under in limited quantities. Then it turned into a legit label, focusing on releasing groundbreaking and special records.

How many people do work for the label?
One, but I have some help from time to time.

What criteria decide whether you release a record or not?
It’s hard to put into words, there’s a lot of intrinsic things I look at that I can’t entirely determine. Obviously it has to be a record that I enjoy, a band that I feel is doing something different and exciting. But it goes so much deeper than that.

Vinyl, CD or MP3? And why?
Vinyl, as much as possible. There is essentially only one band I will do CDs for anymore. I prefer the vinyl format, I like connecting with people that enjoy buying vinyl and it’s just more fun for me. The only downsides are that it takes up a lot of storage space and manufacturing records can be an enormous hassle.

Which one record from your back-catalog represents (aesthetically, ethically, musically) the label best?
THOU ‘Summit’ rounds it up really well!

Thanks, Adam

Thou – By Endurance We Conquer (“Summit”: Gilead, 2010) [mp3]
False – The Key Of Passive Suffering [Excerpt] (“s/t”: Gilead, 2011) [mp3]

www.gileadmedia.net

MusikstreifzugLocrian: Dröhnende Kristallwelten

locrian-onstage

So wie es J.G. Ballard in seinem Roman “The Crystal World” mit Worten tut, konstruieren LOCRIAN auf ihrem gleichlautendem, aktuellen Album mit abgefahrenen Noise-/Drone-Verknotungen eine feingliedrige, surreale Welt. Dem Trio aus Chicago gelingt es vortrefflich, die affektive Ambivalenz von Ballards Text adäquat in vielschichtige Klanglandschaften zu überführen. Das Hören von “The Crystal World” ist eine spanennde und fordernde Pendelei zwischen Faszination für die bizarren Formen und spöde Zerbrechlichkeit einerseits sowie Beklemmungen, ob der eiskalten, düsteren, trostlosen, fremden und bedrohlichen Unwirtlichkeit, andererseits.

LOCRIAN wahren eine feine Balance zwischen Ordnung und Chaos, zwischen Zugänglichkeit und Sperrigkeit. Mit einer obskuren Zusammenbringung von Drone, Noise, Ambient, Black Metal, Prog- und Krautrock sowie verschiedenen experimentellen Stilen versuchen sie klangliche Grenzen auszuloten. Ein starkes Album!


Locrian – At Night’s End (“The Crystal World”: Utech, 2010) [mp3]

LOCRIANs “The Crystal World” ist im November 2010 sowohl auf Vinyl (URLP065) als auch auf 2xCD (URCD056/057) bei Utech erschienen.

MusikstreifzugCoffinworm: Verderb Und Verdammnis

coffinworm-bandpic

Eine der fiesesten Scheiben, die im Jahr 2010 erschienen sind, ist wohl ohne Zweifel das Debütalbum von COFFINWORM aus Indianapolis. In dem mit faden Imitaten überschütteten Metal-Genre sorgt eine solche, mit aggressiv ausgestrecktem Mittelfinger und einer lässigen (Selbst-)Ironie (Songtitel wie “Start Saving for Your Funeral” und “Spitting In Infinity’s Asshole” sprechen da eine deutliche Sprache) zu einer rotzigen Originalität findende Scheibe wie “When All Became None” für wohlige Abwechslung. Gänzlich unbeeindruckt von etwaigen Genre-Konventionen entgehen COFFINWORM geschickt jeglichem Plagiatsvorwurf und erschaffen aus Death/Grind-Elementen der Vorgängerband Black Arrows Of Filth And Impurity, den eindringlichsten Qualitäten des Black Metal – Riffs und Atmosphäre – sowie einer deftigen Portion krustigem Sludges ein nihilistisches Doom-Erlebnis der ausserordentlichen Art: eiskalt, finster, schmerzvoll, schauderhaft, erbarmungslos. Insgesamt wohl mit das roheste und wütendste Material, was im gegenwärtigen Klima der kulturellen Weichspühlerei vorstellbar ist. Bei mir ist die Scheibe schon längst auf Dauerrotation.

Coffinworm – Blood Born Doom (“When All Became None”, 2010)

“When All Became None” ist als CD-Version beim kanadischen Label Profound Lore erscheinen. Die Vinyl-Variante ist in einer auf 514 Stück limitierten Gatefold-Auflage im August 2010 von Seventh Rule veröffentlich worden.

MusikstreifzugThou: Immer In Bewegung, Immer Voran

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Das Sludge-Kollektiv THOU hat unlängst einen taufrischen Langspieler veröffentlicht. Nach dem von der Band aus Baton Rouge, Louisiana bekannten und gewohnten Prinzip werden auf “Summit” NEUROSIS-Doom, bluesiger Hardcore und verschleppte Black Metal-Elemente mit zermürbend walzende Zähigkeit zu einer derben und schlammig-fiesen Soundmasse vermengt. Musikalisch hat das dritte Album der US-Südstaatler also wenig grundlegend Neues oder irgendwie Überraschendes zu bieten. Festzustellen ist jedoch, dass die sechs Stücke wesentlich gradliniger und kompakter daher kommen, als dies auf früheren Releases des Quintetts der Fall war: Es scheint als hätte die Band alle guten Ansätze und Erkenntnisse der letzten Tonträger in diesem einen Album zusammengetragen und verdichtet. Es ist ihnen gelungen die plumpe, offensichtliche Heavyness vorhergehender Veröffentlichungen in emotionale Schwere und subtile Vielschichtigkeit zu transformieren. THOU klingen auf “Summit” ausgereifter als je zuvor, bleiben aber dank einer trockenen, rauen Produktion im ästhetischen Untergrund.

Trotz der respektabel verwirklichten Verklanglichung ihrer Weltsicht, ist es aber nicht vordergründig die Musikalität von THOU, sondern vielmehr die beeindruckende Arbeitsethik, welche die Band zu einer positiven Ausnahmeerscheinung in der gegenwärtigen Independent-Klanglandschaft macht. Allein schon die Diskographie der Jungs liest sich beeindruckend und zeugt von einem enormen Willen und Drang: seit 2007 haben THOU nun drei Alben, sechs EPs und acht Split-Releases veröffentlicht. Sie haben keine Scheu davor, die Veröffentlichungen zum Gratis-Download anzubieten und so die Vorzüge des Internets für eine weitreichende Verbreitung ihrer Musik zu nutzen. Sowohl über die Website sowie einen eigenen Thread im Doom Forever Forever Doomed -Forum werden zudem Neuigkeiten aus erster Hand verfügbar und direkte Interaktion mit der Band möglich gemacht. Auf Facebook, Twitter, Myspace und sonstige Massenphänomene als Mitteilungskanäle verzichten THOU intentional. Das rekrutierte Publikum zahlt diese unaufdringliche, recht persönliche Interaktion auf den stattfindenden Konzerten und Touren mit erhöhten Einnahmen aus Shirt- und Plattenkäufen doppelt und dreifach zurück. Wenn eine Band gut ist und ihre Anhänger gut behandelt, werden diese eben auch gut zu der Band sein.

THOU haben eine klare Vorstellung davon was sie wollen und beweisen enorm viel Rückgrat bei der Realisierung dessen. In der Kombination aus harter Arbeit und querstellender Konsequenz zeigt die Band relativ erfolgreich – Die Welt nimmt Notiz! – einen möglichen, gangbaren Weg für DIY-Bands im Post-Label-Zeitalter auf und ist damit so etwas wie ein Musterbeispiel.

Thou – Endurance We Conquer (“Summit”: Gilead Media/Southern Lord, 2010)

“Summit” ist seit dem 10. August 2010 als Gatefold-CD via Gilead Media zu haben. Die Vinyl-Version wird demnächst als Doppel-LP via Southern Lord nachgereicht.

www.noladiy.org/thou.html | www.gileadmedia.net | www.southernlord.com

Entzerrung: LabelReflections ::Entzerrung

paltenlabel_reflections

What’s the full name of your label? Which city is the home of your label? Do you run any sub-labels?
Reflections Records. Run out of Tilburg, The Netherlands. We also do Monumentum Records, which focuses mainly on (Black) Metal.

Why did you choose that name? Which meaning do names of labels have for their work?
I picked the name because of the Cro Mags song. Not so much because the music was awesome, but the lyrics are really good. It somehow stuck, as well. Besides that it doesn’t really have a ‘meaning’, to be honest.

When did you start the label? What where initial motivations, what the initial idea?
I started it in 1994, or basically, that’s when I started doing Reflections Magazine and with issue #10 we put a compilation 7” with the zine and that marked the start of the label. We wanted to help bands that we interviewed even more by spreading their music as well. The absolute main reason however is of course putting out records yourself is absolutely incredibly cool!

How many people do work for the label?
Myself full time and then my wife Suzanne whenever there’s time and then two other guys who help on a regular basis.

What criteria decide about whether you release a record or not?
I gotta love the music and the people. The people even more, I’d say. They got to be good people who know about punk and hardcore. They gotta know a little bit about how things work in this scene.

Vinyl, CD or MP3? And why?
Definitely vinyl. I love the format. I love the way it has to be played; putting the needle on the vinyl after gently taking it out of its sleeve and putting it on the recordplayer. To me vinyl is the ultimate way to distribute music.

Which record from your back-catalog represents the label best, aesthetically, ethically and musically?
I’d say AMERICAN NIGHTMARE “Year one” (RFL021 [as GIVE UP THE GHOST]). I love that band and together with YOUTH OF TODAY they’re my absolute favorite hardcore band ever. I like everything we released but AMERICAN NIGHTMARE brought something new to the scene at that point and they also became good friends of mine.

www.reflectionsrecords.com

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