MusikstreifzugGrails: Doomsdayer’s Holiday (Commercial)

Grails | Doomsdayer’s Holiday
Temporary Residence / CD|LP: TRR144 / Okt 2008
Wahnsinns Scheibe!!! www.grailsongs.com

TextwerkAmen Ra – Eine In Sich Stimmige Gesamtheit

amenra-promo

“AMEN RA ist mehr als nur eine Riffsammlung in einer CD-Hülle. Es ist Kunst, es sind Worte, es sind Gedanken. Es ist ein Weg durch das Leben zu schreiten.” Mit dieser Aussage ist der avantgardistische Ansatz des Belgischen Kollektivs recht gut skizziert. AMEN RA ist ein Versuch, Musik vom Band-Kontext zu lösen und ein Gesamt­kunstwerk zu schaffen, in dem Klang nur ein Aspekt ist, der gleichberechtigt mit Visuellem, ethischen Ansprüchen und sonstiger künstlerischer Expression verwoben wird. Wie das Spiel mit religiösen Artefakten in diesem Zusammenhang zu verstehen ist und welchen Stellenwert dabei die Selbstdarstellung der Protagonisten hat fand ich im Gespräch mit Sänger und Artworker Colin Van Eeckhout heraus.

Der Name eurer Band hat einen religiösen Hintergrund, die Alben sind als “Messen” betitelt, in den Lyrics tauchen viele religiöse Themen als Metaphern auf und ihr fasst all eure Projekte unter dem Slogan “Church of Ra” zusammen. Was hat es damit auf sich, das ihr euch so ausgiebig auf theologische Artefakte bezieht und damit spielt?
Das sind Metaphern für die Wertvorstellungen, auf die AMEN RA basiert, für die Ideen hinter all dem was wir tun. Das ist in etwa mit dem zu vergleichen, was die Kirche für andere ist. Dies ist unsere Kirche. Wir haben uns ein eigenes Glaubenssystem geschaffen, wenn du so willst. Ich will damit nicht sagen, dass wir wirklich religiös sind. Aber wir nehmen das, was wir mit AMEN RA machen schon sehr ernst. Die Musik, das Artwork, alles…

Strukturen wie Religion oder Kirche haben immer reinen sehr hierarchischen Charakter. Wie geht das mit einem eher freiheitlichen Ansatz von Hardcore zusammen?
Wer sagt denn, dass unsere Kirche hierarchische Strukturen hat? Vielleicht hast du mich nicht richtig verstanden. Ich rede hier von Überzeugungen, über eine Art Gläubigkeit, die wir begründet haben. Alles ganz abstrakt und nicht in Dogmen oder einer Bibel festgeschrieben. Es ist immer noch nur genau das, was jeder selbst daraus macht.

Du hast vorhin die Wertvorstellungen auf die AMEN RA basiert angesprochen. Welche sind das genau?
Es geht darum ein “gutes Leben” zu führen, ein “guter Mensch” zu sein. Ich werde mich hüten hier irgendwelche Regeln aufzustellen, an die sich irgendwer halten soll. Du hast die Musik und Texte, aus denen Weiterlesen

MusikstreifzugBenea Reach = SELFMINDEAD in Metalkostüm

beneareach_bandpic

Shit, ich hab mein Herz an eine alte Liebe verloren. SELFMINDEAD haben damals nach ihrer Auflösung einfach eine Lücke hinterlasen (Achim, du wirst wissen, wovon ich erzähl. Dieser Post geht übrigens speziell an DICH!). Doch jetzt ist das Nachfolgeprojekt mit überzeugendem Shit am Start! Schon mit ihrem 2006er Debüt “Monument Bineothan” konnten BENEA REACH mit ihrer fiesen Mischung aus Skandi-Groove und neurotischem Sludge überzeugen, erhielten aber eigenartigerweise (zumindest in Mitteleuropa) keine breitere Aufmerksamkeit. Auch auf dem aktuellen Album “Alleviat ” (Tabu Rec / Skandinavien: 02.2008, D: 18.07.2008 / Vertrieb: Soulfood) musizieren sich die Skandinavier nun – frei von irgendwelchen Genrebeschränkungen – munter durch alle Krachsegmente. Hat ein bisschen was von TIME TO BURN, ein bisschen was von ISIS/NEUROSIS und Konsorten – und eben eine ganze Menge von SELFMINDEAD. Es ist jedenfalls ein tierisches Biest von Album; kann mir grad nix besseres auf diesem Gebiet vorstellen!

BENEA REACH haben den selben, schleppenden, saucoolen Groove, der SELFMINDEAD so auszeichnete, rübergehievt ins Metal-Lager. Doch auch mit viel Pose und “dicke Hose” macht sich der Scheiß so unwarscheinlich cool in den Gehörgängen. Sehr ambitioniert, diese Band! Einziger Wermutstropfen: der Sackgang mit den Christen-Lyrics. Echt Scheiße! Aber der Groove, Alter! Der Groove… Witzig auch: Auf einmal sind sie WEDER Finnen NOCH Schweden, sondern NORWEGER! Naja, Hauptsache Skandinavien… Eine ganze Menge Songs und Videos kann man sich auf der Band Website anhören und -sehen. Besorgt euch dieses Album!

Benea Reach – New Waters (©Tabu)

TextwerkCaldera | Mist Through Your Consciousness

caldera_mistthrough Mit “Is.Land” von TIME TO BURN haben uns Radar Swarm in diesem Frühling ja bereits ein absolutes Highlight beschert. Doch damit nicht genug: hier kommt die nächste hervorragende Veröffentlichung des französischen Labels – und meine Begeisterung für das, was da derzeit in dieser Richtung im frankophonen Europa passiert erhält neue Nahrung. CALDERA aus Nancy und Paris verknüpfen Prog- und Doom-Metal-Elemente mit Sludge moderner Prägung, bedienen sich aber auch gern mal ungeniert im Stoner- und Post-Rock-Lager. Die Franzosen kreieren daraus eine relativ eigene, rein instrumentale Musik, die zwar mit der selben düsteren Grundstimmung ausgestattet ist, die auch die Labelkollegen OMEGA MASSIF oder YEAR OF NO LIGHT auszeichnet, aber im Ganzen etwas verspielter und weniger zermürbend daher kommt. “Mist Through Your Consciousness” beherbergt insgesamt acht epische und kraftvolle Stücke, in denen immer ein Hauch von Metal-Chauvinismus steckt, die aber im Endeffekt viel zu filigran und mit viel zu viel sanftmütiger Schwere daher kommen, um irgendwas damit am Hut zu haben. Ein tolles Album, das auch trotz seiner allgegenwärtigen Düsterkeit ungemein erfrischend daher kommt. [OX#78]

Radar Swarm, Atropine / CD: RSR016, ATR004 / 2008
www.radarswarm.com | myspace.com/caldera666

TextwerkDead Elephant | Lowest Shared Descent

deadelephant_lowestshareddecent Furioser, experimenteller, noisiger Hardcore, der von schrägen Hooks, über wahnsinnige Stimmbeiträge und abgefahrenen Klangtexturen, bis hin zu tatsächlich melodisch-harmonischen Passagen alles zu bieten hat. Die Stücke des italienische Trios DEAD ELEPHANT basieren zum größten Teil auf wahnwitzigen Distortion-Orgien, atonalem Krach und in Form von Feedback um Gnade winselnden Amps. Dazu gesellen sich immer wieder post-apokalyptisch wirkende Ambient-Passagen, Psychedelic- und Doom-Versatzstücke sowie elektronische Klangkaskaden. Den Jungs gelingt es dabei auf vorzüglicher Art ihre Eigenwilligkeit mit eingängigen Strukturen zu kombinieren, so dass “Lowest Shared Descent” bei aller Schrägheit nie in Gefahr gerät in die Unhörbarkeits-Ecke abzudriften. Dazu passend das düstere, schlichte Artwork der edlen CD-Verpackung. Außerdem gibt es zwei interessante Gastbeiträge: dem Song “The Same Breath” leiht Eugene Robinson (OXBOW) seine Stimme und in “Post Crucifixion” ist eine abgedrehte Sax-Partie von Luca Mai (ZU) zu hören. Das Album ist in jeder Hinsicht unwahrscheinlich vielschichtig und umfangreich, dabei aber komplett in sich stimmig! Hörer mit starken Nerven, die offen sind, sich auf nicht Alltägliches einzulassen, werden in “Lowest Shared Descent” ein wirklich atemberaubendes Werk entdecken können. Das Album fesselt und wächst mit jedem Hördurchgang. [OX#77]

Robotradio / CD: RRR06 / Januar 2008
www.robotradiorecords.com | www.deadelephantband.com

Update (15.Mai 2008): “Lowest Shered Descent” gibts jetzt auch als Vinyl-Version: Very Limited high-quality 180gr (250 in violet wax and 250 in black wax). Coproduced among: Cynic Lab Records, Tumorati di Dio Records, Noise Cult Records, Holidays Records and Gaffer Records.

MusikstreifzuganaLog dogs w/ digital collars

trapthem_konzert

TRAP THEM aus Seattle, Washington haben 2007 mit “Cunt Heir To The Throne” (7″, DECAY017), “Sleepwell Deconstructor” (CD/LP, DECAY019) auf Trash Art und “Seance Prime” (7″/EP, DWI66) auf Deathwish drei (!!!) klasse Releases abgeliefert. Qualitätsmäßig definitiv auf Deathwish-Niveau, heben die Jungs sich aber musikalisch von den anderen, sich oft einander doch sehr ähnelnden Bands des Labels ab. Schöner dreckiger Hardcore, der kraftvoll und zeitgemäß klingt. Oder in eigenen Worten: “Grindcore-Rock’n'Roll with the Sunlight Studio Sound”. Good stuff!

Trap Them – Digital Dogs With Analog Collars (from “Sleepwell Deconstructor” ©2007 Trash Art)
Trap Them – The Protest Hour (from “Sceance Prime” ©2007 Deathwish Inc.)

In den USA gibt es seit einiger Zeit diese sympathische Tendenz den Metal aus der “Steril-Falle” zu befreien. Ein taufrischer Beweis: JAVELINA aus Philadelphia. Das selbstbetitelte Debüt auf Translation Loss Records (CD, TL28-2) sollte eigentlich just erscheinen… Geht soundmäßig ein bisschen in Richtung BURIED INSIDE, ist musikalisch aber wesentlich straighter (MOTÖRHEAD, BLACK SABBATH). Definitiv keine glatt polierte Hochglanzscheiße, sondern einfach dreckiger, rausgerotzer (oder gekotzter?), vor sich hin scheppernder Metal-Punk mit ultrafiesen Vocals. Wenn das so weiter geht, dann mutier ich hier echt noch zum Metal-Fan, haha!

Javelina – Tyrants (from “Self Titled” ©2008 Translation Loss)

thou_liveshot

Dreckiger, doomiger Down-Tempo-Metal kommt in Gestalt von THOU aus Baton Rouge, Lousiana. Auch hier: fieser Gesang und dreckiges Metal-Riffing. Ästhetisch definitiv eher eine DIY/HC-Geschichte. Schön, schön, schön.

Thou – The Work Ethic Myth (from “Peasant” ©2008 Level Plane/Autopsy Kitchen)

Und weil ich mich in letzter Zeit so in den aktuellsten French-Shit (YEAR OF NO LIGHT, TIME TO BURN, CALDERA, etc.) verbissen hab, zum Abschluss noch ein kurzer Beitrag zum Thema: Versucht es mal mit REVOK; eine HC-Kombo, die aber auch so ein bissel verspielte Ambient-Parts einbaut (aber nicht so postrockish). www.revok.org / myspace.com/revok2 Macht sich an einem Sonntag-Nachmittag ganz lässig in der Anlage…

MusikstreifzugSoundlandschaften made in Italy (und elsewhere…)

autokinoton

Eine ganze Armada ziemlich guter, progressiver Doom/Ambient- Experimental-Bands gibt es derzeit aus Italien. Neben den saucoolen Neapolitanern ONE STARVING DAY wissen mich vor Allem VANESSA VAN BASTEN aus Genua zu begeistern (beide übrigens mit Vinyl-Releases auf KNVBI Records). Beide Bands verstehen es vorzüglich ausgefeilte Soundlandschaften zu kreieren und Langsamkeit in eine intensive Hörerfahrung zu transformieren. Aber auch Combos wie THE DROP MACHINE, DYSKINESIA, AT THE SOUNDDAWN und THREE STEPS TO THE OCEAN können mit enormer Qualität auf diesem Gebiet überzeugen.

Ein leckeres, experimentelles Postrock/Shoegaze-Häppchen gibts auch von AUTOKINOTON aus Denver, Colorado. Leider gibts von denen derzeit kein zu erwerbendes Release; ein solches befindet sich aber in Arbeit. Großartige Promo-/Demo-Songs könnt ihr euch derweil auf myspace.com/autokinoton anhören; ansonsten haben die auch ‘ne schmucke Website! In die gleiche Kerbe schlagen NORTH aus Tucson/Phoenix, Arizona. Auf dem aktuelle Album “Ruins” (Valsè! Records, 2007) gibt es schönnen, verträumten, RED SPAROWES-like Postrock.

Coolen Country/Blues/Whatever machen die aus Island kommenden ESJA. Die Band ist unsigned und soweit ich das erkennen konnte sind da Jungs von MINUS am Start. Schicke Demo-Aufnahmen könnt ihr euch unter via myspace reinziehen!

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