MusikstreifzugAppalache: Die Suche Nach Gelassenheit

[Appalache: Die Suche Nach Gelassenheit]

Die nebulösen und von sirrenden Drones durchzogenen Freakfolk-Ambient-Stücke auf “Fue” sind so etwas, wie ein klingender Reisebericht. Die Musik von Julien Magot aka APPALACHE spiegelt hier die Eindrücke und Erfahrungen eines Jahres des Reisens durch diverse Landstriche der Welt in regionalmusikalischen Bezügen, vor Allem aber auch in emotionaler Hinsicht. Der von der ursprünglichen Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner beeindruckte Franzose schafft es, die Ambivalenz der Erfahrungen eines Entdeckungsreisenden – Weite, Leere und Kälte, Geborgenheit, Freude und Hoffnung, Ausharren, Nachdenken und Hadern, Ruhen, Orientieren und Ankommen u.ä. – hörbar und die daraus resultierenden Gefühlsschwankungen erfahrbar zu machen. “Fue” ist somit nicht nur eine Retrospektive einer räumlichen Reise, sondern auch eine Beschreibung einer spirituellen Reise. Es ist die Suche nach Gelassenheit, nach einer hoffnungsvollen Sicht auf Zukünftiges sowie einer unaufgeregten Erwartungshaltung gegenüber der Dinge, die da kommen mögen.

Appalache – Dimensions Of Truth (“Fue”: Blwbck, 2012) [mp3]

“Fue” erscheint am 11. Februar 2012 als BLWBCK012 beim französischen Mikro-Label BLWBCK in einer limitierten Tape-Auflage von 44 Stück.

MusikstreifzugThe Ronald Raygun: Ein Walzendes Monster

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Die aus dem nordamerikanischen Kaff Eau Claire stammende Formation THE RONALD RAYGUN präsentiert auf ihrem Debüt-Album “We Will All Be Dirt” eine Schräge Zusammbringung von Spät-60er Classic Rock, post-rockigen Instrumental-Ausflügen und modern-experimentellen Soundschlängeleien. Fuzz, Bass, Drones, Soundeffekte und ein sehniges Drum-Rückgrat weben ein dichtes, wuchtiges Noise-Netz, welches punktuell von beruhigenden Momenten unterbrochen wird. Herrlich verspielte Arrangements, gelegentlich unkonventionelle Instrumentierung und sehr, sehr delikate Gitarrensounds machen die Songs zu echten Leckerbissen!

The Ronald Raygun – Revenge (“We Will All Be Dirt”: 2010)
The Ronald Raygun – The Monster’s Waltz (“We Will All Be Dirt”: 2010)

“We Will All Be Dirt” wurde im November 2010 von der Band via Bandcamp digital veröffentlicht. Mitte des Jahres 2011 erschien das Album als DGM-LP1 bei Dwarfcraft Global Media auf 12″-Vinyl.

ps. Den Gitarristen und Noise-Laboristen unter euch seien bei der Gelegenheit auch noch die brillianten Effektpedale von Dwarfcraft Devices ans Herz gelegt. Drahtzieher dieser kleinen Manufaktur ist der TRR-Frontmann Ben Hinz aka “Old Pal Aen”. Ein Besuch der Seite lohnt allein schon wegen der Promo-/Demo-Videos, die definitiv die besten ihrer Art weit und breit sind!!!

MixtapeMy Year 2011 In The Realm Of Shades

[My Year 2011 In The Realm Of Shades]


My Year 2011 In The Realm Of Shades by Klangverhältnisse on Mixcloud

MusikstreifzugLocrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche

[Locrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche]

Nachdem das phänomenale “The Crystal World” direkten Bezug auf den gleichnamigen SciFi-Roman von James Graham Ballard nahm, erinnert die Cover-Fotografie des neuen LOCRIAN-Werkes “The Clearing” an die menschenleeren Gemäuer der überfluteten Zivilisationsreste in dessen Roman “The Drowned World”. Dass die Musik LOCRIANs und das Werk des britischen Schriftstellers immer wieder Schnittstellen aufweisen, ist wenig überraschend, sind doch beide Beschreibungen von endzeitlichen Szenarien.

LOCRIAN zelebriert auch auf “The Clearing” seine typisch zähe und düstere Verschmelzung von Drone-, Noise- Ambient- und Black Metal-Partikeln. Die mittlerweile zum Trio angewachsene Formation um Terence Hannum, André Foisy & Steven Hess beeindruckt dabei mit seiner Musikalität, mit seiner Fähigkeit, die Stücke mit Geduld auszubreiten, mit seinem Vertrauen in elementare Rhythmen, über die sie ihre düsteren Ambienzen schichten. Diverse Musiker haben schon den dichten, schwarzen Experimentalismus der Chicagoer Noise-Avantgardisten zu imitiern versucht, aber LOCRIAN bleibt einfach eine Klasse für sich!

“The Clearing” wurde am 1.November 2011 von Fan Death (FDR-028) als Vinyl-LP (inkl. Download-Code) veröffentlicht.

MusikstreifzugKreng: Schwarzes Kammermusikflimmern

[Kreng: Schwarzes Kammermusikflimmern]

Das KRENG-Album “Grimoire” ist ein tiefschwarzes Kammermusikflimmern, durchzogen von schweren Schatten, dichten Nebeln und unheilvollen Vorahnungen.

Der belgische Schauspieler und Klangalchemist Pepijn Caudron verbindet hier Anmut und Pracht historischer Kunstmusiken Europas mit exzellentem, modernem Sounddesign und einer tiefgehenden, inhaltlichen Aufladung mit Okkultem (ein Grimoire ist eine spätmittelaterliche Textasammlung von “magischem Wissen”). Er verwebt auf exzellente Weise kammermusikalische Arrangements, obskure Film Noir-Soundtracks, behutsam tastenden DarkJazz und querlaufenden Düster-Drones. Viel finsterer kann Musik eigentlich nicht sein.

“Grimoire” von KRENG ist im Juni 2011 auf LP und CD bei Miasmah erschienen und kann auf soundcloud.com/miasmah in Gänze gehört weden. Das Vinyl ist auf 400 Stück limitiert und kommt mit handgefertigtem Siebdruck-Cover.

MusikstreifzugWhite Hills: Über Den Zustand Vom Nichts

[White Hills: Vom Zustand Von Nichts]

Die WHITE HILLS sind ein absoluter Koloss, ein von Sturzfluten aus betörendem Lärm umspülter Apokalypsetraum. Auf “H-p1″ stehen nun all die zarten Knospen vorhergehender Veröffentlichungen in voller Blüte.

Ausgehend vom Spacerock-Wahnsinn im Zentrum ihres ohrenbetäubenden Rundumschlages, breitet sich die New Yorker Formation auf ihrem neuen Album immer wieder ruppig, aber höchst delikat in andere Richtungen aus: Noise, Drone, Ambient, Kraut und Psych werden in ausschweifenden Jams miteinenader verwoben, bis einem vom Zuhören schwindlig wird. Diese düster-hypnotische Mischung aus wogenden Gitarren-Riffs, nebulös wirbelnden Synth-Drones und dem distanzierten Gesang ist wahrlich eine kathartische und beeindruckende Klangerfahrung.

“H-p1″ ist im Juni 2011 als Thrill276 bei Thrill Jockey erschienen und als Doppel-LP, CD sowie als Download zu bekommen.

MusikstreifzugSaåad: Nebelfelder In Südfrankreich

[Saåad: Nebelfelder In Südfrankreich]

Die Klangexperimente des südfranzösischen Projekts SAÅAD bewegen sich wie riesige Nebelfelder über karge Herbstweiten: immer gleich und doch in Bewegung befindlich, sich laufend verändernd. Field Recordings, digitale und analoge Klangerzeuger sowie menschliche Stimmen werden verfremdet, in Hallfahnen gewickelt und zu rauschenden Konstrukten zwischen Noise, Drone und Ambient verknüpft. Weitflächige Soundfelder, ohne Anfang oder Ende, aber mit enormem Fluß und Sog; ideal um sich darin fallen und treiben zu lassen.

Die beiden SAÅAD EPs “Pink Sabbath” und “Raincoats” sind ursprünglich Mitte 2011 als Digital-Releases beim Netlabel Blwbck erschienen. Im Oktober 2011 hat Arty Empty beide EPs auf einer Compact Cassette veröffentlicht (RTMT002).

MusikstreifzugDead Elephant: Markierer von Endlichkeit

[Dead Elephant: Markierer von Endlichkeit]

Auf ihrem neuen Album zeigen sich DEAD ELEPHANT noch versierter, intensiver und düsterer als auf dem ohnehin schon atemberaubenden Vorgänger „Lowest Shared Descent“! „Thanatology“ ist – wie die Wissenschaft, nach der es benannt ist – eine inhaltliche Beschäftigung mit psychologischen und soziologischen Aspekten des Todes, oder konkreter: mit dem Prozess des Akzeptierens von Verlusten. Vier detaillierte Klangkollagen setzen sich mit dem Konzept von Tod als Markierer von Endlichkeit und damit Wegbereiter von Wandel auseinander; es geht um Sterblichkeit, Wiedergeburt, Verschiebung von Körper und Geist sowie diverse spirituelle Zwischenzustände.

Die wahnwitzigen Distortion-Orgien des italienischen Trios sind hier weniger furios, weniger zügellos als in der Vergangenheit. Aus Schnipseln von NEUROSIS-Doom, OM-Mantras und Badalamenti-Jazz-Drones sowie Ein- und Umarbeitung von traditionellen, italienischen Trauermärschen hat die Band einen verschachtelten, sludgigen Noisecore zusammengeschraubt. Es sind die fesselnde Vielseitigkeit und die spannende Unvorhersehbarkeit, die „Thanatology“ zu einem wirklich herausragenden Album machen! Eine facettenreiche, intensive, schwere und herausfordernde Musik, die einem sehr eindrucksvoll verdeutlicht, wie eindimensional und langweilig die meisten anderen Bands in diesem Genre sind!

Die CD Version von “Thanatology” ist im Juli 2011 als REPOSECD028 bei Riot Season erschienen. Eine limitierte LP-Version (200 rot, 400 schwarz) ist in Co-Produktion von Riot Season, Shove Records und Sangue Dischi entstanden.

MusikstreifzugVortex Rikers: Karg, Unscharf, Gespenstisch

(Vortex Rikers: Karg, Unscharf, Gespenstisch)

Das Dortmunder Mysterium VORTEX RIKERS demonstriert auf herrausragende Art und Weise, dass klangliche Finsternis nicht zwangsläufig über Brachialität zu erreichen sein muss. Aus doomigen Synthie-Sounds, gespenstischen Drones und sehnigen Beat-Skeletten ensteht hier, irgendwo zwischen Electronica, Lo-Fi-Ambient, Post-Dubstep und Witch House, eine karge, nebulöse und düstere, rein synthetische Instrumentalmusik.

Die Musik von VORTEX RIKERS ist ein verklanglichtes Wandeln in der von sozialer Distanz, ökonomischer Rationalität und rein funktionaler Architektur geprägten, unwirtlichen Kühlheit der postindustriellen Welt. Sie ist der Klang von nächtlichem Umherirren in übervölkerten Ballungsgebieten, von post-ekstatischem Absturz im Morgengrauen, von endzeitlicher Sci-Fi-Dystopie.

Mit “The Story So Far​.​.​.” haben VORTEX RIKERS unlängst auf ihrer Website eine Best-Of-Zusammenstellung veröffentlicht, welche das bisherige Schaffen der Formation adäquat repräsentiert. Dieses 12-Song-Album steht – genauso wie diverse bisherigen Releases – auf vortexrikers.bandcamp.com zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Vortex Rikers – Ghosts On Ibiza from vortex rikers on Vimeo.

MusikstreifzugSMM: Context – Explorative Grenzgänger

smmcontext-photo

Seit 2003 veröffentlicht das amerikanische Label Ghostly International unter dem unerklärtem Akronyn SMM allerlei explorative, experimentalmusikalische Grenzgänge zwischen Modern Classical, Minimal Music, Ambient und Drone. “SMM: Context” ist nun der erste Teil einer Compilation-Reihe in diesem Kontext, der jährlich eine neue Ausgabe hinzugefügt werden soll.

Für das Serien-Debüt hat Ghostly einige renommierte Soundtüftler zusammengebracht und so zu einander positioniert, dass “SMM: Context” wie ein sezierender Schnitt durch den aktuellen Zustand dieser eher unscharf umgrenzten Musik erscheint. Zwischen der cineastischen Ambient-Opulenz Kyle Bobby Dunns, den lieblich-zarten Piano-Pièces Rafael Anton Irisarris und den abründig düster-kühlen Drones Svarte Greinars entfaltet diese Zusammenstellung beinahe das gesamte Spektrum kontemporärer Minimal/Abstract-Klänge. Der beständige Wechsel zwischen verschiedenen Stilen und Stimmungen verdeutlicht die Vielfalt der kompositorischen Prozesse, bei einem verbindend ähnlichen Umgang mit Texturen und Ambienzen. Eine düstere Tristesse zieht sich als Grundstimmung durch alle Songs.

Neben den Beiträgen von Kyle Bobby Dunn, Rafael Anton Irisarri (aka THE SIGHT BELOW) und Svarte Greinar (aka Erik K Skodvin, eine Hälfte des Duos DEAF CENTER und Betreiber des Miasmah-Lables) enthält “SMM: Context” Stücke von Christina Vantzou (mit Adam Wiltzie/STARS OF THE LID auch als THE DEAD TEXAN aktiv), Aiden Baker (NADJA, etc.), Goldmund (aka Keith Kenniff), Peter Broderick (ex-EFTERKLANG, etc.), THE FUN YEARS, Jacaszek, Leyland Kirby und MANUAL.

“Smm: Context” ist im März 2011 als GI-133 bei Ghostly International auf 2xLP und CD sowie in diversen Download-Formaten erschienen.

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