Nachdem die Brüder Hanscomb vom beschaulichen Seebad Southend-On-Sea in die lebendigere Südküstenstadt Brighton umgezogen sind und sich vornehmlich mit ihrem Emo-Folk-Projekt SHINRI beschäftigt haben, legen sie nun, drei Jahre nach “Lost Parade”, ein neues JUNKBOY-Album vor. Der Veröffentlichungs-Termin zeugt von exzellent Timing: “Three” ist ein passender Soundtrack zum Frühling. Das komplett in den Schlafzimmern der Jungs aufgenommene Album, ist wunderbar gutgelaunt und enorm facettenreich geworden. Der beinahe neunminütige, postrockige Opener “Volcano Mono” etwa überzeugt mit entspannter Atmosphäre und brillanter Klarheit. Mit seinem jazzigem Schlagzeugspiel, Bläsereinsätzen und eigenwilligen, aber wunderschönen Chören hebt er sich von gängigen Genre-Standards wohltuend ab. Mit dem zweiten Track werden JUNKBOY dann indie-traditionalistischer. Die erhabene Schönheit des ersten Stückes wird mit eingängigeren Songstrukturen verknüpft und mit träumerischen, süßlichem Gesang versehen. “There Is Light” erinnert in seiner Leichtigkeit an das 2001er DISMEMBERMANT PLAN Album “Change”. Den Beweis dafür, dass auch ein gewisser Elliott Smiths sehr hoch in der Gunst des britischen Duos stehen dürfte, liefert dann das überzeugende “Seconds”: Der Song weckt durch seine Gitarren- und Chor-Arrangements, als auch durch seine düstere Intimität überaus deutliche Erinnerungen an Smiths Arbeiten. Sogar das kurze Outro-Solo klingt, als wäre dieser höchstpersönlich bei den Aufnahmen dabei gewesen. Insgesamt verfügen die Hanscombs über ein äußerst geschicktes Händchen im Umgang mit und bei der Zusammenführung von verschiedenen stilistischen Elementen. Auf (Anti-)Folk-Fundamenten installieren JUNKBOY fragile Postrock-Parts sowie schrullige Krautrock-Versatzstücke und verzieren diese mit latenten Elektronik-Spielereien. Der unterschwellige Hang zu jazzigen Arrangements und experimenteller Schrägheit positioniert JUNKBOY leicht außerhalb der üblichen Indie-Weichspül-Gemeinde. Immer wieder versuchen die Briten klassische Indie-Songstrukturen aufzubrechen, bleiben aber stets enorm catchy. Entspannt, federleicht und gutgelaunt musizieren sich die Brüder durch ein großartiges, sanft herausforderndes Album. [CE_Spring 2008]
Enraptured / CD: RAPTCD55 / 18 Feb 2008
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