
Warum hat mir vorher eigentlich niemand von THE OUT_CIRCUIT erzählt!? Und jetzt stolpere ich hier so nebenbei über etwas, das ich schon längst meinen Gehörgängen über Maß hätte einflössen sollen! Der Mann, der saich hinter diesem Projekt verbirgt ist Nathan Burke; dem ein oder anderen vielleicht als FRODUS-Basser/Sänger auf deren phänomenalen 2001er Werk “And We Washed Our Weapons in the Sea” bekannt. Das erste, 2001 veröffentlichte THE OUT_CIRCUIT Album “Burn Your Scripts, Boys” (Lujo Rec/lujo013) könnt ihr getrost vergessen; das bereits Anfang des Jahres veröffentlichte, dieses Mal fast als One-Man-Project realisierte “Pierce The Empire With A Sound” (Lujo Rec/lujo056) gehört allerdings zum Besten, was ich in den letzten Monaten zu hören bekommen habe! Klingt ein wenig, als wären FUGAZI mit Peter Gabriel im Studio gewesen. Eine süsslich-schräge, sehr dynamische Musik, die irgendwie post-hardcoriges mit indierockigem verbindet. Welchen Einfluss Burke auf den späten FRODUS-Sound hatte wird klar, wenn man sich einen Song wie “Come Out Shooting” anhört. Als (Gast-)Musiker sind hier u.a. Leute von COALESCE, THRICE, HARAM, CORN ON MACABRE, BEAUTY PILL und der ROCKY VOTOLATO BAND am Start. Gemixt hat das Ganze Teppei Teranishi von THRICE. Eine super Platte, die stilistisch bewusst offengehalten ist und sich damit zwischen alle Stühle setzt.
mp3: The Out_Circut -Come Out Shooting(©Lujo)

In eine ähnliche Richtung geht auch das neue YOUNG WIDOWS Album, auch wenn dieses etwas sperriger daher kommt. Das sich die Witwen aus den Trümern von BREATHER RESIST zusammensetzen, dürfte längst kein Geheimnis mehr und das musikalische Niveau damit klar sein. Mit atenberaubenden Skills haben die Jungs in Form von “Old Wounds” (Temporary Residence, TRR138) ein beeindruckendes Werk zusammengeschraubt. Sie ziehen zu jeder Zeit kompromisslos ihr eigenes Ding durch und scheren sich einen Scheiss um Erwartungshaltungen. Punkrock 2.0, oder so.
mp3: Young Widows – Mr. No Harm(©Temporary Residence)

Während die beiden erstgenannten Scheiben wohl eine eher elitäre Hörerschaft finden dürften, so ist das aktuelle (und soweit ich in Erfahrung bringen konnte, bisher auch das einzige) Album der Pariser Soundtüfftler RADIUS SYSTEM wohl deutlich massenkompatibler. Dies gillt jedoch lediglich für den auf dem Tonträger enthaltenen Klang. Mit ihrem zwischen JULIANA THEORY (PopAppeal), MINERAL (Emotion) und DREDG (Kunstfertigkeit) angesiedelten Songs dürften sie schon eine ziemlich breite, Visions-sozialisierte Indie-Zielgruppe ansprechen. In allen anderen Belangen schiesst auch diese französische Künstler-Truppe quer zu allen Pop-Konventionalitäten. Aktuellste Entscheidung des Quartets: es werden keine Konzerte mehr gespielt, nur noch Alben produziert. Mir soll es recht sein, so lange sie dieses Niveau aufrecht erhalten können… Das “Escape/Restart” betitelte Album ist als Gratis-Download über das Netlabel Lostchildren zu beziehen.
Radius System – Bestsellers (©Lost Children)
15.Oktober 2008
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