TextwerkBuried Inside – Nachdenklich, stimmungsvoll, gewaltig.

Buried Inside Die fünfköpfige Formation BURIED INSIDE kommt aus Ottawa, Kanada und verschmilzt seit mehr als 10 Jahren auf beeindruckend stimmige Weise Elemente von Sludge, Doom, Crust, Metal und Hardcore. Im März 2009 erschien das vierte Album „Spoils Of Failure“, welches erneut musikalisch und inhaltlich deutlich mehr ist, als ein paar hingeworfene Klangfetzen. BURIED INSIDE regen den Intellekt an, ohne mit gemimter Intellek­tualität zu nerven. Aufgeräumt und reflektierend zeigt sich Gitarrist Andrew Tweedy im Interview.

Ihr wart jüngst mit eurem neuen Album in der Tasche in Europa unterwegs. Wie war die Tour und die Reaktionen auf die Platte?
Die Tour war, wie auch schon beim vorherigen Mal in Europa, absolut großartig. Ich glaube ihr könnt euch viel mehr für kleinere Bands wie unsere begeistern. Das Album ist auch sehr gut angekommen. Viele Leute fragen bei Konzerten zwar immer auch nach Songs von „Chronoclast“, was glaube ich nur natürlich ist, aber die meisten haben ehrliches Gefallen an dem neue Material bekundet. Ich denke viele Leute anerkennen es einfach, dass wir uns in eine etwas andere Richtung bewegt haben und respektieren dies.

Seit der Veröffentlichung von „Chronoclast“ sind 4 Jahre vergangen. Warum hat es mit einer neuen Platte so lange gedauert?
Wir sind lange mit „Chronoclast“ getourt. Da wir während der Touren nie an neuem Material arbeiten, haben wir erst Mitte 2006 angefangen neue Ideen zusammen zu tragen. Wir nehmen uns auch immer viel Zeit für das Songwriting. Wir erarbeiten Neues von Grund auf als Kollektiv. Wir jammen viel, probieren unterschiedliche Arrangements aus. Viele Parts liegen auch immer wieder eine ganze Weile brach, bevor bevor wir daran weiter arbeiten. Wir setzen Stück für Stück die Teile zu dem zusammen, was dann auf den Alben zu hören ist. Wir arbeiten mit viel Bedacht – In jeder Hinsicht!

Was ist die „Spoils Of Failure“ zu Grunde liegende Idee?
Die meisten Gedanken auf der Platte drehen sich um die verlogenen Versprechen von Informationstechnologien im Allgemeinen. Bestimmte Leute haben einfach ein Interesse daran, dass nicht alle Menschen mit bestimmten Diensten, Zugängen und Sicherheiten ausgestattet sind. Zudem wird die Grenze zwischen Fahrlässigkeit und Weiterlesen

MusikstreifzugKeelhauls triumphale Rückkehr aus der Versenkung

keelhaul

KEELHAUL kommen nach beinahe sechs Jahren klammheimlich aus der Versenkung hervor und liefern ein Album ab, was locker der Großzahl des Math-/Noise-Rock-Kollegiums mindestens Neidesblässe ins Gesicht treiben dürfte. Die vier Herren aus Cleveland, Ohio basteln auf “Keelhaul’s Triumphant Return To Obscurity” (Hydra Head, HH666-185, Januar 2010) vertrackte, fummelige Schräg-Kompositionen zusammen, die mit wunderbarer Leichtigkeit, technischer Finesse sowie routinierter Präzision gespielt sind und auf beinahe mysteriöse Art absolut funktionieren. Klingt in etwa so, als hätten KNUT versucht die musikalischen Ansätze von BOTCH, BATTLES und LIGHTNING BOLT zu fusionieren. Heiß!

Keelhaul – Pass The Lampshade (“Keelhaul’s Triumphant Return To Obscurity”: HydraHead, 2010)

myspace.com/mykeelhaul | www.hydrahead.com

TextwerkSunn O))) | Berlin, Berghain, 23.10.2009

sunn_berghain Noch lange bevor die Krachsinfoniker Stephen O’Malley und Greg Anderson gemeinsam mit ihren Live-Mitstreitern die Bühne des zum Kultobjekt gestylten, endzeitig anmutenden Berghain besteigen, startet eine bedrohlich blubbernde Monotondarbietung mönchsartiger Rezitative. Somit wird von vornherein klar, was sowieso allen Anwesenden klar gewesen sein dürfte: Easy Listening gibt es an diesem Abend nicht! Die deshalb etwas überraschende Erkenntnis: die Zuhörerschaft bildet ein angenehm gemischtes Publikum! Ein SUNNO)))-Konzert ist längst keine Freak-Show mehr; jüngste Features in Feuilleton und Breitenmusikblatt haben ihre Spuren hinterlassen. Nach einer halben Stunde, kurz bevor das mantraartige Gemurmel einem final die Nerven raubt, knallt aus dem Dunkel ein infernalisches Feedback. Diese erste Wellenfront läutet – über die atemberaubende Function-One-PA des Techno-Tempels wie zeitgleiche Tritte in Rücken und Magengrube wirkend – die Bühnenversion von „Monoliths & Dimensions“ ein. Derbstes Brummen, Sirren und Beben macht sich im Raum breit. Einige entgeistert überstandene Minuten später erscheint wie aus dem Nichts eine Stimme, dazu aus beharrlich wabernden Nebelsäulen zäh gestikulierende Hände. In gebrochenem Englisch und mannigfaltigen Gesangstechniken malt der kunstgrunzende Ungar Attila Csihar im Folgenden fortwährend düsteren Bilder in die bange Dunkelheit. O’Malley und Anderson zelebrieren in Kutten gegleidet jede Saitenberührung priesterlich. Die Resonanzfrequenzen der Knochen lassen mit jedem Akkord andere Körperregionen erbeben; es vibriert und knackt und summt im ganzen Leib. Es dauert eine ganze Weile, bis sich die intensitätsbedingte Konsterniertheit einer sonderbaren Glückseligkeit weicht. Das Ganze ist nicht mehr akustische, es ist eine körperliche Erfahrung! Außerdem ist es eine perfekte Düster-Inszenierung: viel Nebel und Lichteffekte, Geste und Pose, Mystifizierung und Faszination. Mit all den Noise- und Gruselklischees ist das Ganze aber auch ein wenig kitschig. Dennoch ist die Darbietung fieser, als das meiste Andere je sein könnte, weil hier von typischen Parametern von Musik abgerückt wird, was Haltlosigkeit und Verwirrung begünstigt und somit radikal das praktiziert, was in anderen radikal erscheinenden Musiken nur über Implikationen vorgetäuscht wird. Doch auch bei SUNNO))) dienen diese Dekonstruktionen einfach dem uralten Prinzip der Popkultur: es gilt dem Zuhörer ein unvergessliches Spektakel zu bereiten. In diesem Sinne nehmen die Meister von Drone und Doom die Popkultur mit deren ureigensten Mitteln auseinander, und hinterlassen zumindest ein gepflügtes Feld für einen Neuansatz. Alles vorhergehende muss da im Vergleich zwangsläufig wie ein Trivialitätenkabinett erscheinen. Nach 90 Minuten macht sich dann deutlicher als bei jedem anderen vorher erlebtem Konzert die direkt erfahrene Schallintensität bemerkbar: Man fühlt sich als hätte man just einen Triathlon absolviert und auch noch Tage später befinden sich die Knochen in der Ausschwingphase. Das Versprechen Schallwellen physisch wahrnehmbar zu machen wurde intensiv eingelöst.

TextwerkSólstafir | Köld

solstafir_köld Ich war noch nie in Island. Ich stelle mir da eine karge, halbwegs urwüchsige, unwirtliche, fast surreal anmutende Natur vor, die genauso atemberaubend wie furchteinflößend ist. Eine ähnliche Atmosphäre wohnt auch der Musik des isländischen Krachkollektivs SÓLSTAFIR inne. Stellt euch vor ihr seid in einer solchen Landschaft mit dem Auto unterwegs: Das was sich da vor euren Augen abspielt, ist in etwa eine visuelle Entsprechung dessen, was die vier Isländer in Form von “Köld” vertont haben. Mal episch flächig, mal schleppend doomige Krachkonstellationen, die mitreißen und isolieren, die gleichzeitig Spaß machen und Besorgnis erregen. Kommt an mancher Stelle NEUROSIS (vor allem der Gesang) verdächtig nah, ist an anderer aber wieder so weit wie nur irgendwas entfernt davon. Die Gesangsbeiträge kommen alle recht nachdenklich bis traurig (stimmungsmäßig, nicht qualitativ!) daher, weshalb die Scheibe einen recht düsteren Eindruck vermittelt. Am Horizont bleibt aber stets eine vage Hoffnung zu erkennen. Musikalisch ist das Prinzip ebenso trivial, wie wirkungsvoll und so schon tausendfach ähnlich reproduziert. Funktioniert offensichtlich immer wieder (mal mehr, mal weniger gut). “Köld” (bedeutet so viel wie “sehr kalt”) passt gut in den nun schon länger anhaltenden Trend, um bereits mit Albernheiten wie “Thinking Man’s Metal” oder “Heady Metal” beschriebene, postrockige, ambienthafte Metal-Derivate. Dass immer mal wieder guter Stoff aus Island aufs Festland herüber weht dürfte ja hinlänglich bekannt sein, weshalb diese Scheibe, auch wenn sie keine musikalische Offenbarung ist, mit seinem hohen Niveau nicht überrascht. (OX#83)

Spikefarm / CD: Naula102 / Januar 2009
www.spinefarm.fi | www.solstafir.net

TextwerkSunn O))) – Low Frequencies In Stereo

SUNN0)))_1573_300dpi

SUNN0))) lassen dir die Ohren schlackern, mitunter auch die Magenwände flattern – und sie machen sowieso immer alles ganz anders als der Rest. Zur Information über die Veröffentlichung des neuen Mammutwerkes “Monoliths & Dimensions” wurden deshalb dieses mal auch nicht die übliche Promotion-Mühle in Gang gesetzt, sondern die Journalie direkt zur Listening-Session ins Tonstudio geladen. Exklusivität und Privileg vereint im ehemaliges Gebäude des DDR-Rundfunk inmitten der trostlosen Abgeschiedenheit einer Ostberliner Industriebrache. In schönstem Studio-Ambiente sirren einem da dann 50 Minuten lang Feedback-Orgien, Instrument-Experimente, Klangkaskaden und Sprachbeiträge um die Ohren, die eher an Werke Arnold Schönbergs erinnern, als an in ähnliche Metal-Ästhetik verpackte Soundkonstellationen. Am Ende der Session wirft ein Kollege ein süffisantes “Immer derselbe Scheiß” ein. Man könnte ihm sicher beipflichten und es sich gelangweilt in seinem selbstgerechten Gedankenkonstrukt gemütlich machen, doch irgendwie regt sich im Innern Widerstand, denn irgendwie fasziniert die da gerade gehörte Radikalität der Wucht, die Kompromisslosigkeit der Andersartigkeit, die latente Intellektualität, die da ständig als Gegenpol zur Unterhaltungsindustrie langwellig mitschwingt. Derartige Kompositionen sind eigentlich zu sperrig, als dass sie einem gefallen könnten, vielmehr muss man sie zu verstehen versuchen. Da kommen dann Diskussionen um die zwischen U- und E-Musik spaltende Axt und deren Sinngehalt ins Spiel, aber auch der Aspekt des eitlen Moments der Selbstberufung in die elitäre Position des “Verstehers”. Diesen Schritt machen einem die beiden Noisesymphoniker Greg Anderson und Stephen O’Malley mit ihrem neuen Werk auch um einiges einfacher als mit früheren Arbeiten. Die Stücke auf “Monoliths & Dimensions” wirken sortierter, strukturierter, aufgeräumter, einfacher zugänglich denn je. Was die Schöpfer des Werkes dazu zu sagen haben, taten sie mir in einem entspanntem Gespräch im Anschluss an die Session kund.

Zunächst mal muss sich sagen, dass mir die neue Scheibe wirklich gut gefällt! Ich finde sie ist viel wärmer, viel zugänglicher als ältere Sachen von euch. Würdet ihr mir da zu stimmen?
Nun, jeder hat dazu seine eigene Meinung. Wir sind immer interessiert an den Reaktionen der Menschen, aber wir werden das nicht weiter kommentieren. Zum Thema “Wärme unserer Platten”: Das “Black Album” war schon eher kalt irgendwie, wir haben aber vorher auch schon warmes Material produziert. Es ist aber auf jeden Fall nie so, dass wir uns hinsetzen und irgendeine bestimmte Temperatur in die Stücke tragen wollen; das wäre Quatsch. Die unterschiedliche Feelings rühren auch daher, dass wir während der Aufnahmen zum “Black Album” an sehr anderen psychologischen Punkten in unseren Leben waren, als wir es bei diesem Album waren. Auch jetzt sind wir schon wieder in einem ganz anderem Zustand. Diese unterschiedlichen emotionalen Qualitäten schlagen sich halt auch immer auf die Musik nieder.

Wann genau habt ihr das Album aufgenommen?
Die Arbeiten daran begannen im Frühling 2007 und wurden vor etwa einem Monat (Januar, A.d.Verf.) fertiggestellt. Wir haben also Weiterlesen

TextwerkAmen Ra – Eine In Sich Stimmige Gesamtheit

amenra-promo

“AMEN RA ist mehr als nur eine Riffsammlung in einer CD-Hülle. Es ist Kunst, es sind Worte, es sind Gedanken. Es ist ein Weg durch das Leben zu schreiten.” Mit dieser Aussage ist der avantgardistische Ansatz des Belgischen Kollektivs recht gut skizziert. AMEN RA ist ein Versuch, Musik vom Band-Kontext zu lösen und ein Gesamt­kunstwerk zu schaffen, in dem Klang nur ein Aspekt ist, der gleichberechtigt mit Visuellem, ethischen Ansprüchen und sonstiger künstlerischer Expression verwoben wird. Wie das Spiel mit religiösen Artefakten in diesem Zusammenhang zu verstehen ist und welchen Stellenwert dabei die Selbstdarstellung der Protagonisten hat fand ich im Gespräch mit Sänger und Artworker Colin Van Eeckhout heraus.

Der Name eurer Band hat einen religiösen Hintergrund, die Alben sind als “Messen” betitelt, in den Lyrics tauchen viele religiöse Themen als Metaphern auf und ihr fasst all eure Projekte unter dem Slogan “Church of Ra” zusammen. Was hat es damit auf sich, das ihr euch so ausgiebig auf theologische Artefakte bezieht und damit spielt?
Das sind Metaphern für die Wertvorstellungen, auf die AMEN RA basiert, für die Ideen hinter all dem was wir tun. Das ist in etwa mit dem zu vergleichen, was die Kirche für andere ist. Dies ist unsere Kirche. Wir haben uns ein eigenes Glaubenssystem geschaffen, wenn du so willst. Ich will damit nicht sagen, dass wir wirklich religiös sind. Aber wir nehmen das, was wir mit AMEN RA machen schon sehr ernst. Die Musik, das Artwork, alles…

Strukturen wie Religion oder Kirche haben immer reinen sehr hierarchischen Charakter. Wie geht das mit einem eher freiheitlichen Ansatz von Hardcore zusammen?
Wer sagt denn, dass unsere Kirche hierarchische Strukturen hat? Vielleicht hast du mich nicht richtig verstanden. Ich rede hier von Überzeugungen, über eine Art Gläubigkeit, die wir begründet haben. Alles ganz abstrakt und nicht in Dogmen oder einer Bibel festgeschrieben. Es ist immer noch nur genau das, was jeder selbst daraus macht.

Du hast vorhin die Wertvorstellungen auf die AMEN RA basiert angesprochen. Welche sind das genau?
Es geht darum ein “gutes Leben” zu führen, ein “guter Mensch” zu sein. Ich werde mich hüten hier irgendwelche Regeln aufzustellen, an die sich irgendwer halten soll. Du hast die Musik und Texte, aus denen Weiterlesen

MusikstreifzugBenea Reach = SELFMINDEAD in Metalkostüm

beneareach_bandpic

Shit, ich hab mein Herz an eine alte Liebe verloren. SELFMINDEAD haben damals nach ihrer Auflösung einfach eine Lücke hinterlasen (Achim, du wirst wissen, wovon ich erzähl. Dieser Post geht übrigens speziell an DICH!). Doch jetzt ist das Nachfolgeprojekt mit überzeugendem Shit am Start! Schon mit ihrem 2006er Debüt “Monument Bineothan” konnten BENEA REACH mit ihrer fiesen Mischung aus Skandi-Groove und neurotischem Sludge überzeugen, erhielten aber eigenartigerweise (zumindest in Mitteleuropa) keine breitere Aufmerksamkeit. Auch auf dem aktuellen Album “Alleviat ” (Tabu Rec / Skandinavien: 02.2008, D: 18.07.2008 / Vertrieb: Soulfood) musizieren sich die Skandinavier nun – frei von irgendwelchen Genrebeschränkungen – munter durch alle Krachsegmente. Hat ein bisschen was von TIME TO BURN, ein bisschen was von ISIS/NEUROSIS und Konsorten – und eben eine ganze Menge von SELFMINDEAD. Es ist jedenfalls ein tierisches Biest von Album; kann mir grad nix besseres auf diesem Gebiet vorstellen!

BENEA REACH haben den selben, schleppenden, saucoolen Groove, der SELFMINDEAD so auszeichnete, rübergehievt ins Metal-Lager. Doch auch mit viel Pose und “dicke Hose” macht sich der Scheiß so unwarscheinlich cool in den Gehörgängen. Sehr ambitioniert, diese Band! Einziger Wermutstropfen: der Sackgang mit den Christen-Lyrics. Echt Scheiße! Aber der Groove, Alter! Der Groove… Witzig auch: Auf einmal sind sie WEDER Finnen NOCH Schweden, sondern NORWEGER! Naja, Hauptsache Skandinavien… Eine ganze Menge Songs und Videos kann man sich auf der Band Website anhören und -sehen. Besorgt euch dieses Album!

Benea Reach – New Waters (©Tabu)

TextwerkCaldera | Mist Through Your Consciousness

caldera_mistthrough Mit “Is.Land” von TIME TO BURN haben uns Radar Swarm in diesem Frühling ja bereits ein absolutes Highlight beschert. Doch damit nicht genug: hier kommt die nächste hervorragende Veröffentlichung des französischen Labels – und meine Begeisterung für das, was da derzeit in dieser Richtung im frankophonen Europa passiert erhält neue Nahrung. CALDERA aus Nancy und Paris verknüpfen Prog- und Doom-Metal-Elemente mit Sludge moderner Prägung, bedienen sich aber auch gern mal ungeniert im Stoner- und Post-Rock-Lager. Die Franzosen kreieren daraus eine relativ eigene, rein instrumentale Musik, die zwar mit der selben düsteren Grundstimmung ausgestattet ist, die auch die Labelkollegen OMEGA MASSIF oder YEAR OF NO LIGHT auszeichnet, aber im Ganzen etwas verspielter und weniger zermürbend daher kommt. “Mist Through Your Consciousness” beherbergt insgesamt acht epische und kraftvolle Stücke, in denen immer ein Hauch von Metal-Chauvinismus steckt, die aber im Endeffekt viel zu filigran und mit viel zu viel sanftmütiger Schwere daher kommen, um irgendwas damit am Hut zu haben. Ein tolles Album, das auch trotz seiner allgegenwärtigen Düsterkeit ungemein erfrischend daher kommt. [OX#78]

Radar Swarm, Atropine / CD: RSR016, ATR004 / 2008
www.radarswarm.com | myspace.com/caldera666

MusikstreifzuganaLog dogs w/ digital collars

trapthem_konzert

TRAP THEM aus Seattle, Washington haben 2007 mit “Cunt Heir To The Throne” (7″, DECAY017), “Sleepwell Deconstructor” (CD/LP, DECAY019) auf Trash Art und “Seance Prime” (7″/EP, DWI66) auf Deathwish drei (!!!) klasse Releases abgeliefert. Qualitätsmäßig definitiv auf Deathwish-Niveau, heben die Jungs sich aber musikalisch von den anderen, sich oft einander doch sehr ähnelnden Bands des Labels ab. Schöner dreckiger Hardcore, der kraftvoll und zeitgemäß klingt. Oder in eigenen Worten: “Grindcore-Rock’n'Roll with the Sunlight Studio Sound”. Good stuff!

Trap Them – Digital Dogs With Analog Collars (from “Sleepwell Deconstructor” ©2007 Trash Art)
Trap Them – The Protest Hour (from “Sceance Prime” ©2007 Deathwish Inc.)

In den USA gibt es seit einiger Zeit diese sympathische Tendenz den Metal aus der “Steril-Falle” zu befreien. Ein taufrischer Beweis: JAVELINA aus Philadelphia. Das selbstbetitelte Debüt auf Translation Loss Records (CD, TL28-2) sollte eigentlich just erscheinen… Geht soundmäßig ein bisschen in Richtung BURIED INSIDE, ist musikalisch aber wesentlich straighter (MOTÖRHEAD, BLACK SABBATH). Definitiv keine glatt polierte Hochglanzscheiße, sondern einfach dreckiger, rausgerotzer (oder gekotzter?), vor sich hin scheppernder Metal-Punk mit ultrafiesen Vocals. Wenn das so weiter geht, dann mutier ich hier echt noch zum Metal-Fan, haha!

Javelina – Tyrants (from “Self Titled” ©2008 Translation Loss)

thou_liveshot

Dreckiger, doomiger Down-Tempo-Metal kommt in Gestalt von THOU aus Baton Rouge, Lousiana. Auch hier: fieser Gesang und dreckiges Metal-Riffing. Ästhetisch definitiv eher eine DIY/HC-Geschichte. Schön, schön, schön.

Thou – The Work Ethic Myth (from “Peasant” ©2008 Level Plane/Autopsy Kitchen)

Und weil ich mich in letzter Zeit so in den aktuellsten French-Shit (YEAR OF NO LIGHT, TIME TO BURN, CALDERA, etc.) verbissen hab, zum Abschluss noch ein kurzer Beitrag zum Thema: Versucht es mal mit REVOK; eine HC-Kombo, die aber auch so ein bissel verspielte Ambient-Parts einbaut (aber nicht so postrockish). www.revok.org / myspace.com/revok2 Macht sich an einem Sonntag-Nachmittag ganz lässig in der Anlage…

MusikstreifzugMit etwas Krach im Rücken ins neue Jahr…

DYSRYTHMIA Crust/Hardcore beeinflusster Grindcore, der bei Zeiten in auch mal in atmosphärischen Klanggefilden wühlt, bieten uns VISCERA (www.viscera.it) aus Italien. Klingt etwa so, als wären ISIS mit CARCASS im Bett gewesen und hätten ein Grind-Kind gezeugt. Die Songs auf ihrem ersten Album “Cyclops” (Soulflesh Collector, SFC07-017, 2007) sind schön dreckig, heftig und dabei noch frisch. Krasses Zeug! Ähnlich intensiv kommen die Schweden ACHILLES LAST STAND (myspace.com/achilleslaststand1) daher, auch wenn die in eine deutlich andere Kerbe schlagen. Irgendwo zwischen Hardcore, Metal und Punk wird ein fieser, CONVERGE infizierter Krach erzeugt, der modern und groß klingt, dabei aber wunderbar bodenständig bleibt. Das aktuelle Album “The dead soil” (Deadvibrations, 2007) beschert uns mal wieder cooles Zeug aus Skandinavien. Düster, schleppend und ebenfalls ziemlich technisch kommen TEARS BEFORE (myspace.com/tearsbefore) daher. Geht ein bissel so in Richtung KISS IT GOODBYE, TODAY IS THE DAY oder CONVERGE. Bisher haben die Italiener lediglich einen Song auf der “Stones From The Sky Vol.1″ Compilation von Neurosound veröffentlicht; dieser ist auf Myspace zu hören.

Wer auf technischen Chaoscore der Marke CONVERGE und/oder DILLINGER ESCAPE PLAN steht, der sollte definitiv mal die Nordamerikaner THE FAREWELL ORDER (Leute jetzt u.a. bei PRISTINA aktiv) anchecken. Hab mir letztens deren Album schon etwas älteres Album “Araby” vom MP3-Blog the poet you never were herunter geladen und mich direkt in die Songs verliebt. Toller Kram! Ebenfalls technisch tierisch versiert und unglaublich verspielt kommt die Relapse-Band DYSRYTHMIA (dysrhythmiaband.com) daher; machen aber eher so arschcoolen Noise-/Math-Rock. Zu haben ist jetzt ihre ‘Fractures’ split w/ ROTHKO (Acerbic Noise Development, 2007).

Von der Römischen Band THE ORANGE MAN THEORY (theorangemantheory.com) gibt es ein groovig-treibendes Album namens “Riding a cannibal horse from here to…” (Indelirium, IDR012, 2005). Die Songs gehen gut nach vorne, auch wenn die gelegentlichen Singsang-Parts etwas nerven. Die vielen Tempowechsel und Spielereien machen das Album dennoch angenehm abwechslungsreich. Guten Hardcore, der Metal-Parts mit gefühlvollen Screamo-Passagen verbindet, spielt die Schwedisch-Italienische Band NON TOCCATE MIRANDA (myspace.com/nontoccatemiranda). Die Songs vom Album “The 7 Obstructions” (Synaptic Records, SYR 002, 2005) ist zwar schon etwas älter, geht aber immer noch ganz gut ins Ohr. Ebenfalls in die Screamo-Ecke schielen ANGELICA MARINER (myspace.com/angelicamariner) aus Italien. Ist aber insgesamt eher so cooler, Schweden-Style Hardcore. Groovt und drückt wie Sau. Die 4-Song-EP “On Failure And Consumption” (self released, 2007) ist jetzt ganz frisch zu haben.

Seite 3 von 4 Anfang 1234 Ende