Musikstreifzug(Nicht ausschließlich) Intrinsisch motivierte Lobpreisung der Neuen Britischen Angepisstheit

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Während der deutsche Krach-Untergrund genauso wie der Krach-Mainstream – mittlerweile seit Jahren unverändert – noch in der unsäglichen Metalcore/Sceamo/Emo-Sackgasse steckt, geschieht anderswo Progression. Dem geneigten Hörinteressierten bleibt da (wie schon so oft) nur der neidische Blick zu den Nachbarn (vgl.), über den großen Teich (Nordamerika) oder seit Neustem auch wieder über den kleinen Teich (UK). Wer bei britischer Musik jetzt automatisch und/oder nur an Britpop, Retro-Kasper oder die Glasgow-Connection denkt, der hat sowie so einen etwas limitierten Horizont und brauch hier gar nicht weiter lesen. Interessierte und aufgeschlossene Krach-Rezipienten sollten aber die Ohren spitzen, denn im UK gedeiht seit einiger Zeit ein Pflänzchen bemerkenswerter Art.

Die Bands der “New Wave of British Hardcore” prügeln mit atemberaubender Kompromisslosigkeit und fast physisch spürbarer Wut dem zum Verkaufsargument degradierten Wort “Hardcore” all seinen anhaftenden Mief, seine Klischees, seine zur großen Langeweile verkommene Selbstreproduzierung aus. Der mit den Worten “Playing as hard and fast as humanly possible” (Bandinfo THROATS) kurz und knapp auf den Punkt gebrachte Ansatz ist dabei musikalisch sicher alles andere als neu. Jedoch der darüber kommunizierte Umgang mit einem in allen kulturellen Bereichen beobachtbaren Regress (vgl.) sowie die Absage an die permanent stattfindende kulturindustrielle Vermüllung verleihen dem Ganzen erhebliche (sub)kulturelle Bedeutungs-Relevanz.

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Wer sich also seine Gehörgänge sowie sein Bewusstsein nach der Taubwerdung durch allzu unumgängliche Berieselung mit weichgepülter “Härte” mal wieder so richtig durchpusten lassen möchte sollte also mal einen Blick unter die Oberfläche der britischen Musiklandschaft wagen. Unter merklichem, musikmateriellem Deathwish-Einfluss (CONVERGE, RISE AND FALL, etc), gehörigen Math-/Grind-Anleihen (der Marke ED GEIN) sowie der Anknüpfung an von Bands wie PG.99, ARTIMUS PYLE und CURSED (also die Nordamerikaner wieder; Champions of kulturindustriell Herstelling. ) etablierten Produktions-Ästhetik, hat sich, abseits von Squatter-Romantik und Imagekonservativismus, eine als Neue Britische Angepisstheit wahrnehmbare Attitüde etabliert, die man getrost als den rückbezogenen Link von Hardcore auf Punk – und das hier ganz und gar nicht als Absatz garantierendes Label verwendet! – bezeichnen kann. Allerdings wird hier nicht in John Lydon-Manier ins Gesicht gespuckt, sondern gleich zum Rundumschlag ausgeholt – und das vielleicht schönste daran: dies geschieht nicht aus kalkulierendem Profitstreben (Wobei ich zusätzlich anmerken möchte, dass dem ein möglicherweise trotzdem erzielter Profit nicht widerspricht. Schließlich müssen auch subversive Klänge finanziert werden; auch Vans von Untergrundlern fahren nicht gratis. Caught In The Cycle.).

Zwei dieser Kombos – LAVOTCHKIN und CROCUS – waren unlängst nacheinander im deutschsprachigen Raum “en concert” zu erleben. Wer da war, wird das oben Erwähnte nachvollziehen können. Wer es verpasst hat ist zu bedauern und muss via MySpace nachsitzen! Im Juni erscheint jedenfalls eine gemeinsame Split EP dieser beiden Ungetüme u.a. via Klangverhältnisse (Hallo, intrinsisch motiviertes Moment!). Weitere lohnenswerte und unbedingt zu empfehlende Bands sind THROATS, ERRANDER, HUMANFLY, TORTUGA und JAILBAIT. Die für die Verbreitung zuständigen Labels sind We Heart), Midmarch und Holy Roar) u.a. Austesten, begeistert sein, sich daran freuen und mit Plattenkauf supporten!

MusikstreifzugDa wird euch sicher warm ums Herz!

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Zu allererst möchte ich euch die grandiosen ICTUS aus Spanien ans Herz legen! Die haben nämlich mit ihrem aktuellen Album “Imperivm” (Alerta Antifascista, AA45, 2007) ein wahres Meisterwerk gestemmt! Das Album besteht aus nur einem Track und wartet mit dem besten Crust/Metal/Hardcore-Gebräu auf, dass ich in den letzten Jahren gehört habe. Hut ab!!! Tragischerweise hatte die Band im Sommer auf Tour in Weißrussland einen wirklich schweren Unfall; nähere Infos dazu findet ihr unter myspace.com/ictuscore. Wer mit einer Spende helfen will, findet dort auch Angaben zu einem Spendenkonto.

Dann hab ich letztens zwei Bands vom amerikanischen Label Black Market Activities (für mich) entdeckt; nämlich KHANN aus Florida und ARCHITECT aus Syracuse, NY. Letztere spielen auf “All Is Not Lost” (Black Market Activities, BMA017-2, 2007) ziemlich intensiven, metal-lastigen Hardcore; klingt ein bissel wie ein CONVERGE-AMERICAN NIGHTMARE-Hybrid. KHANN spielen so metalinfizierten, kranken Scheiß in der Schnittmenge von sagen wir mal PG99, REVERSAL OF MAN, ED GEIN und ISIS. Das Debut-Album “Tofutopia” (Black Market Activities, BMA023-2, 2007) ist auf jeden Fall ein krasses Teil!

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Ein weiteres Klanginferno dieser Sorte kommt via Midmarch Records aus England: Es trägt den Namen LAVOTCHKIN. Aktuellste Publikation der Chaoscore-Truppe aus Newcastle ist eine Split-CD mit JOSEPH (Midmarch, MMR017, 2007). Krasses, cooles Zeug! Eine ebenfalls hervorragende, noch halbwegs aktuelle Midmarch-Veröffentlichung ist die Scheibe “Ont Blood” (Midmarch, MMR015, 2007) von der schwedischen Hardcore-Combo THE GRIZZLY TWISTER.

Schönen 90er-Jahre-Skandinavien-Hardcore gibts von LIGHTHOUSE PROJECT aus Finnland auf ihrem neuen, zweiten Album “Gift” (CD: Combat Rock Industry, CRI 051, LP: Lacktop, BTR016, Sep 2007). Der typische Northcore-Sound wird hier mit an die früheren RFUSED (“Everlasting”) und NINE (“Listen”) erinnernsden Elementen kombiniert. Knallt gut!

Zwei gute, neue Platten mit französischen Bands beschert uns aktuell die Marianne vom Schweizer Label Ape Must Not Kill Ape. Da gibts jetzt die HIRO/BRUME RETINA Split 10″ (Ape Must Not Kill Ape, APE31). HIRO sind die Überreste von GANTZ und in diese Richtung geht der Spaß dann auch. Zweites Highligt und noch einen Tick besser als die zuvor genannte Platte ist das Album von LE PRE OU JE SUIS MORT (Ape Must Not Kill Ape, APE27, 2007). Klassischer Screamo auf labeltypisch hohem Niveau.

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