TextwerkAkimbo | Jersey Shores

akimbo_jerseyShores Anfangs ist nur ein seichtes Wellenrauschen zu hören, dazu ein meditativ-repetitives Bassriff, das irgendwie unehrlich Entspanntheit vortäuscht. Ein wenig später setzt die Gitarre mit einer unruhig, naiv-unschuldig wirkenden Tonfummelei ein, die gekonnt mit dem Bass kontrastiert und dadurch der Eindruck von falscher Ruhe noch verstärkt. Das dann wiederum etwas später einsetzende, etwas fahrig verspieltes Schlagzeug bringt eine nervöse Unruhe in den Klangraum, bevor das Stück “Matawan” dann nach etwa anderthalb Minuten zu den Worten “Don’t forget the tide, she asks a heavy toll, her beasts dressed in blue” in ein bedrohliches Rockmonster erupiert. AKIMBO befassen sich auf “Jersey Shores” inhaltlich mit einer zwölf Tage andauernden Serie von Hai-Attacken an der Küste New Jerseys im Jahre 1916. Es ist ihnen auf vorzügliche Art und Weise gelungen die unheimliche Atmosphäre, beklemmende Angespanntheit, die Angst, die Brutalität und die Ungewissheit dieses Ereignisses adäquat in Klang zu transformieren. All die Unbedarftheit, Unschuldigkeit und naive Hilflosigkeit der Menschen, aber vor allem die Eleganz und Brutalität des Tieres finden fast leitmotivisch ihre musikalischen Entsprechungen im Konzeptalbum der Jungs aus Seattle. Diese Scheibe ist, wie der Protagonist der inhaltlichen Handlungsebene, ein wahres Biest! Wie gewohnt verbinden AKIMBO 70s-Heavy-Rock-Riffing mit Stoner-Feeling und einer gehörigen Portion Dreck. Neu im AKIMBO-Klangkosmos ist die atmosphärische Tiefe. Das Album besitzt eine wahnsinnige Dynamik. Mit unglaublich wenig Instrumentarium (ja, die Jungs sind tatsächlich noch immer nur zu dritt, benutzen lediglich Gitarre, Bass und Schlagzeug) werden enorm unterschiedliche Stimmungen erzeugt, dass einem schon allein von dieser Leistung schwindelig werden könnte. Durch das Hinzufügen des thematischen Sinnzusammenhangs, erhalte die Stücke dann noch zusätzlich eine Deutungsebene. Es ist unglaublich welche assoziative Kraft der Klang mit dem Wissen um die konzeptionelle Ebene besitzt. “Jersey Shores” ist keine lose Songsammlung, sondern ein konzeptionell und musikalisch absolut stimmige Vertonung von Naturgewalten, Emotionen und Gedanken. Die quälend beklemmende Grundstimmung der Platte lässt auch den Wechsel von Alternative Tentacles zu Neurot Recordings plausibel erscheinen. AKIMBO scheinen ein extremes Bedürfnis zu haben, sich auszudrücken: in schöner Regelmäßigkeit und in relativ kurzen Abständen veröffentlicht die Band aus dem Nordwesten der USA nun schon seit 2001 ihre Platten. Die hier vorliegende ist bereits die sechste in besagtem Zeitraum. Meiner Meinung nach auch die beste, weil ausgereifteste und stimmungsmäßig spannendste AKIMBO Platte bisher. (CE III/2k8)

Neurot / CD|LP: NEU64 / 14 Nov 2008
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