MusikstreifzugKayo Dot: Goethische Heraufbeschwörung

[Kayo Dot: Goethische Heraufbeschwörung]

Nach den weitestgehend krachfreien Releases “Coyote” (2010, Hydra Head) und “Stained Glass” (2011, Hydra Head) scheint Tobi Driver seinen Spaß an härteren Klängen wieder gefunden zu haben. Auf dem jüngst veröffentlichten Album “Gamma Knife” tummeln sich die von ihm angeführten Schrägsinfoniker KAYO DOT nämlich nicht nur ausschließlich in verjazzten Zwischenwelten, sondern kommen, wie bereits in früheren Tagen, beizeiten auch schwarz und metallisch daher. Stark!

Kayo Dot – Rite Of Goetic Evocation (Gamma Knife, 2012) [mp3]

Die Band hat “Gamma Knife” auf ihrer Bandcamp-Seite digital zur Verfügung gestellt. Eine LP-Version kommt im Mai 2012 via Antithetic.

MusikstreifzugWhite Hills: Über Den Zustand Vom Nichts

[White Hills: Vom Zustand Von Nichts]

Die WHITE HILLS sind ein absoluter Koloss, ein von Sturzfluten aus betörendem Lärm umspülter Apokalypsetraum. Auf “H-p1″ stehen nun all die zarten Knospen vorhergehender Veröffentlichungen in voller Blüte.

Ausgehend vom Spacerock-Wahnsinn im Zentrum ihres ohrenbetäubenden Rundumschlages, breitet sich die New Yorker Formation auf ihrem neuen Album immer wieder ruppig, aber höchst delikat in andere Richtungen aus: Noise, Drone, Ambient, Kraut und Psych werden in ausschweifenden Jams miteinenader verwoben, bis einem vom Zuhören schwindlig wird. Diese düster-hypnotische Mischung aus wogenden Gitarren-Riffs, nebulös wirbelnden Synth-Drones und dem distanzierten Gesang ist wahrlich eine kathartische und beeindruckende Klangerfahrung.

“H-p1″ ist im Juni 2011 als Thrill276 bei Thrill Jockey erschienen und als Doppel-LP, CD sowie als Download zu bekommen.

MusikstreifzugQuiet Lights: Sachen packen, Reset drücken

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Nach der Mitte 2010 in Eigenregie in Umlauf gebrachten Digital-Single “Ablaze” bietet das aufstrebende Quintett QUIET LIGHTS jetzt mit “No More Canyons” einen neuen Song an, der mich mal glatt aus den Socken haut. Während das meiste unter dem Indie-Rock-Stempel firmierende Material mir lediglich ein müdes Lächeln abzuringen im Stande ist, weiß der düstere Sound der Damen und Herren aus Brooklyn, New York mich vollauf zu begeistern. Mit jeder Menge Reverb, Delay, Chorus und Vibrato verbinden QUIET LIGHTS Elemente von doomigem Shoegaze, fluffigem Dreampop und schmachtendem Mid-90s-Emo der Marke SUNNY DAY REAL ESTATE. Üppig-warme Gitarren, bedrohlich mulmender Bass, ein den Gezeiten ähnliches anschwellendes und abebbendes Schlagzeugspiel sowie der launisch gehauchter Gesang weben einen vielschichtigen Klangteppich voller wunderschön verträumter und herzzerreißender Harmonien. Insgesamt etwas doomig-dumpf im Sound und leicht schwerfällig; deswegen ähnlich sanft erdend wie eine Flasche Rotwein.

Quiet Lights – No More Canyons (“No More Canyons”, 2011)

Die Single erscheint sowohl digital als auch auf 7″-Vinyl am 15.February 2011 bei Old Flame Records. Der Song “No More Canyons” kann hier legal und gratis heruntergeladen werden. Ein komplettes Album ist für Anfang 2011 in Planung.

MusikstreifzugBlonde Redhead: 4AD Sessions

BLONDE REDHEAD haben im Rahmen der schmucken Sessions-Reihe von 4AD fünf Songs ihres unlängst veröffentlichten Albums “Penny Sparkle” (Review) vor Kameras aufgeführt. Die düstere Inszenierung setzt die behutsamen Interpretataionen der Stücke in ein adäquates Licht. Van Rivers, Produzent und Freund der Band, ist dabei als viertes Musiker am Start. Auf 4ad.com/sessions/005 findet ihr alle fünf Tracks in voller Länge.

MusikstreifzugBlonde Redhead: Zart Tanzende, Funkelnden Münzen

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Nachdem BLONDE REDHEAD zum Record Store Day im April dieses Jahres via Beteiligung am 4-Way-Split “Fragments” ein zart sirrendes Lebenszeichen von sich gaben, war anzunehmen, dass da zeitnah noch Weiteres kommen würde – und tatsächlich steht nun seit heute (10.Sep 2010) mit “Penny Sparkle” ein komplettes, neues Album der New Yorker in den Plattenläden.

In der Art, wie die Gebrüder Amedeo und Simone Pace sowie Frontfrau Kazu Makino seit jeher ihr Œuvre an einem roten, stets distinkt nach BLONDE REDHEAD klingenden Faden entlang auf erfinderische Weise entwickeln, verfeinern, überdenken und klangformen, hat der Sound des Trios auch dieses Mal wieder eine ansprechende Evolution vollzogen. Was sich auf dem 2007er Vorgänger-Album “23″ schon unterschwellig ankündigte, erfährt hier nun in Reduktion, in ruhiger Zurückhaltung seine volle Ausarbeitung.

Die dissonanten Gitarrensounds wurden gegen Synthi-Kissen und ätherisch klingende Elektronika eingetauscht, während die Atmosphäre der Songs gewohnt stimmungsvoll und heraufbe­schwörend geblieben ist. Der abermalige Soundwandel steht dem Trio aber überaus gut, weil er immer BLONDE REDHEAD bleibt, dabei aber eben nicht Selbszitat, sondern Ausleuchtung einer weiteren Facette ihres beeindruckend schillernden Klangkosmos ist.


Auf der Band-Website ist “Here Sometimes”, der erste Song des Album, zu hören und kann im Tausch gegen die eigene Email-Adresse heruntergeladen werden.

www.blonde-redhead.com | www.4ad.com

MusikstreifzugInstinkt Und Notwendigkeit: Ein Neues Swans-Album

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14 Jahre nach der Veöffentlichung des phänomenalen, apokalyptischen Folk-Psychperiments “Soundtracks For The Blind” und mehr als eine Dekade nach ihrer Stillegung hat Michael Gira seine Post-Punk/Art-Rock-Formation SWANS reaktiviert. Dies will er aber nicht als eselige Nostalgie-Reunion, nicht als Wiederbelebung der Vergangenheit verstanden wissen, sondern als tatsächliche, künstlerische Notwendigkeit:

After five ANGELS OF LIGHT albums, I needed a way to move forward, in a new direction, and it just so happens that revivifying the idea of SWANS is allowing me to do that. [via]

In neuer Besetzung wurde nun das Album “My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky” eingespielt. Im Hip-Magazin Quietus geht Gira auf jeden Song einzeln und im Detail ein. Als Previewmaterial hat die Formation aus New York City “Eden Prison” vorrausgeschickt, ein aus flirrend strömenden, nöligen Gitarrenlärm und Giras unverwechselbarer, bedrohlich dröhnender Stimme zusammengeschraubtes, sechsminütiges Klagelied.

<a target="_blank" href="http://soundcloud.com/thequietus/07-eden-prison" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/soundcloud.com/thequietus/07-eden-prison?referer=');">Swans &#8211; Eden Prison</a>from <a target="_blank" href="http://soundcloud.com/thequietus" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/soundcloud.com/thequietus?referer=');">theQuietus</a> on <a target="_blank" href="http://soundcloud.com" onclick="pageTracker._trackPageview('/outgoing/soundcloud.com?referer=');">Soundcloud</a>

“My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky” erscheint am 5.Oktober 2010 auf Giras eigenem Young God-Label und ist als Digipak-CD, LP+MP3 und MP3-Download zu haben. Ich bin gespannt.

swans.pair.com | www.younggodrecords.com

TextwerkWhite Hills | Berlin, White Trash, 17.03.10

WhiteHills-Concert

Manchmal muss man sich in die Keller der Urbanität begeben, um die Berge sehen zu können! Und so landet man dann mittwochabends in einem dunkel-feuchten Gewölbe und starrt gemeinsam mit etwa zwei Dutzend anderen Menschen auf das bizarre Geschehen, was sich auf der in helles Scheinwerferlicht getauchten, kleinen Bühne am Ende des beinahe endlosen Raumschlauchs ereignet. Am rechten Bühnenrand steht ein mit Glitzer im Gesicht bemalter Gitarrengnom, mit den wahrscheinlich kürzesten Beinen im Rock-Business, aber so dermaßen schnellen Fingern, dass einem beim Hinschauen schwindelig wird. In der Bühnenmitte schwebt die Bassistin auf einer Arroganzwolke: Instrument mit durchsichtigem Korpus, Catsuit, Null-Blick. Links davon steht eine wild in der Luft umher fuchtelnde, feminine Ausführung von Mr. Spock, deren wirr anmutendes Gestikulat nicht Resultat geistiger Umnachtung, sondern Bedienung eines wunderbaren Moog Theremins ist.

Drei Hingucker in vorderster Front also – und doch ist der heimliche Star des Abends ein anderer. Unscheinbar und friedlich wie ein vergessener Lennon-Sohn sitzt in Reihe zwei mit Batikshirt und Langhaarfrisur der Drummer hinter seinen Riesenkesseln und malträtiert diese so tight, kraftvoll und ausfüllend, dass einem nicht nur der Atem weg bleibt, sondern auch lebendige Erinnerungen an ZEPPELIN-Bonzo ins Oberstübchen gerufen werden. So bizarr diese Konstellation optisch anmutet, so derb liegen die WHITE HILLS in den Ohren. Das auf den Tonträgern des Quartetts vordergründige 60s-psych-Moment rückt im Konzert in den Hintergrund. Stattdessen dominiert akustische Intensität, ja geradezu Brachialität. Da werden enorme Berge aus wahnsinniger Lautstärke, monströsem Sound, massivem Riffing, erschütternder Trommelei und knurrige Tieffrequenzondulationen aufgeschüttet. Berge so hoch, schroff und atemberaubend, dass der Zuhörer nur ehrfürchtig da stehen, staunen, wirken lassen kann. Bezwingbar ist dieser Brocken nicht! Dass sich die Band mit ihrem von Fuzz und Modulationseffekten dominierten, ausschweifenden, frickeligen Klangstücken ein ums andere Mal in der eigenen Weitläufigkeit zu verzetteln droht, stört ob der zwar durchaus mit Hang zum Theatralischen, aber mit so viel Herzblut dargeboten Perfomance nicht. Optisch ist das tierisch schräg, lautstärketechnisch die Hölle und musikalisch einfach atemberaubend.

Die WHITE HILLS sind ein absoluter Koloss, ein von Sturzfluten aus betörendem Lärm umspülter Apokalypsetraum. Sie verbinden New-York-Bohème mit Rock-Urschleim und kreieren daraus eine absonderliche Mischung, die ästhetisch so tut, als hätte es Punk und den ganzen nachfolgenden Rattenschwanz an musikstilistischen Entwicklungen nie gegeben, ihm im Geiste aber gar nicht so fern bleibt. Ohne sich einem Style zu unterwerfen, ohne darauf zu schielen was „im Trend“ ist und ohne jeglichen Kompromisse zu machen, stellt sich die Band auf die Bühne und macht, zuweilen recht krautrockig, aber immer auch kritisch und kraftvoll, einfach das, was sie will: lauten, arschtretenden Rock. Ein für wahr schräges Konzerterlebnis.

www.whitehillsmusic.com

Beitrag erschienen in OX #90 (Juni/Juli 2010).

Entzerrung: LabelTemporary Residence ::Entzerrung

plattenlabel_temporaryresidence

What’s the full name of your label? Which city is the home of your label? Do you run any sub-labels?
Temporary Residence Ltd, Brooklyn, New York, USA.

Why did you choose that name? Which meaning do names of labels have for their work?
I moved to many different houses and apartments when I first started the label, so the name seemed appropriate.

When did you start the label? What where initial motivations, what the initial idea?
December 1995. I started it to release my own music, as well as the music of my closest friends and collaborators.

How many people do work for the label?
Three.

What criteria decide about whether you release a record or not?
If I love it and know that I could support with full and true conviction, then I know I would want to release it.

Vinyl, CD or MP3? And why?
They each have strengths and weaknesses. I don’t think there is one perfect format.

Which record from your back-catalog represents the label best, aesthetically, ethically and musically?
“TRR50: Thank You” is a wonderful representation of the label as it is a compilation featuring several of our artists, but our musical aesthetic is extremely diverse and cannot be adequately represented by one release.

Black Heart Procession – Rats (“Six”: Temporary Residence, 2009)
Maserati – Monoliths (“Passages”: Temporary Residence, 2009)
Grails – Reincarnation Blues (“Doomsdayer’s Holiday”: Temp Res, 2008)
Cex – Rattlebin (“Sketchi”: Temporary Residence, 2009)
Young Widows – Old Skin (“Old Wounds”: Temporary Residence, 2008)

www.temporaryresidence.com

MusikstreifzugThey’ve Got Blood Like We’ve Got Blood

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Krautrockig, kunstvoll, kritisch. “They’ve Got Blood Like We’ve Got Blood” ist eine auf 125 Stück limitierte und längst vergriffene CD-R EP der WHITE HILLS. Das gute Stück erschien 2005 auf dem britischen Label Fuck Off & Di. (Foto: Ahmad Masood [via])

White Hills – Coming For You (© Fuck Off & Di)

MusikstreifzugBlonde Redhead: Lebenszeichen.

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Bedeckt hält sich das Trio aus New Yor City ja seit jeher. Drei Jahre sind seit dem letzten Album “23″, ja seit dem letzten wirklichen Lebenszeichen von BLONDE REDHEAD überhaupt ins Land gezogen. Anlässlich des Record Store Day (17.April 2010) hat 4AD nun eine limitierte 12”-Vinyl Compilation-EP namens “Fragments” (BAD3X17) veröffentlicht, auf der sich neben Stücken von GANG GANG DANCE und ARIEL PINK’S HAUNTED GRAFFITI eben auch ein neuer Track von BLONDE REDHEAD befindet. Dieser macht dem EP-Namen allerdings alle Ehre: “Not Getting There” ist als knapp zweiminütiges Song nur fragmentarischer Appetizer für das nächste Album. Wann das kommt ist – na klar! – derzeit völlig offen. Gut ist die Klangkost dennoch. [via]

Blonde Redhead – Not Getting There (“Fragments”: 4AD, 2010)

www.4ad.com | www.blonde-redhead.com

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