MusikstreifzugKayo Dot: Goethische Heraufbeschwörung

[Kayo Dot: Goethische Heraufbeschwörung]

Nach den weitestgehend krachfreien Releases “Coyote” (2010, Hydra Head) und “Stained Glass” (2011, Hydra Head) scheint Tobi Driver seinen Spaß an härteren Klängen wieder gefunden zu haben. Auf dem jüngst veröffentlichten Album “Gamma Knife” tummeln sich die von ihm angeführten Schrägsinfoniker KAYO DOT nämlich nicht nur ausschließlich in verjazzten Zwischenwelten, sondern kommen, wie bereits in früheren Tagen, beizeiten auch schwarz und metallisch daher. Stark!

Kayo Dot – Rite Of Goetic Evocation (Gamma Knife, 2012) [mp3]

Die Band hat “Gamma Knife” auf ihrer Bandcamp-Seite digital zur Verfügung gestellt. Eine LP-Version kommt im Mai 2012 via Antithetic.

MixtapeMy Year 2011 In The Realm Of Shades

[My Year 2011 In The Realm Of Shades]


My Year 2011 In The Realm Of Shades by Klangverhältnisse on Mixcloud

MixtapeMy Year 2011 In Fury And Rawness

[My Year 2011 In Fury And Rawness]


My Year 2011 In Fury And Rawness by Klangverhältnisse on Mixcloud

MusikstreifzugLocrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche

[Locrian: Schattenhafte Vorahnungen & Ominöse Geräusche]

Nachdem das phänomenale “The Crystal World” direkten Bezug auf den gleichnamigen SciFi-Roman von James Graham Ballard nahm, erinnert die Cover-Fotografie des neuen LOCRIAN-Werkes “The Clearing” an die menschenleeren Gemäuer der überfluteten Zivilisationsreste in dessen Roman “The Drowned World”. Dass die Musik LOCRIANs und das Werk des britischen Schriftstellers immer wieder Schnittstellen aufweisen, ist wenig überraschend, sind doch beide Beschreibungen von endzeitlichen Szenarien.

LOCRIAN zelebriert auch auf “The Clearing” seine typisch zähe und düstere Verschmelzung von Drone-, Noise- Ambient- und Black Metal-Partikeln. Die mittlerweile zum Trio angewachsene Formation um Terence Hannum, André Foisy & Steven Hess beeindruckt dabei mit seiner Musikalität, mit seiner Fähigkeit, die Stücke mit Geduld auszubreiten, mit seinem Vertrauen in elementare Rhythmen, über die sie ihre düsteren Ambienzen schichten. Diverse Musiker haben schon den dichten, schwarzen Experimentalismus der Chicagoer Noise-Avantgardisten zu imitiern versucht, aber LOCRIAN bleibt einfach eine Klasse für sich!

“The Clearing” wurde am 1.November 2011 von Fan Death (FDR-028) als Vinyl-LP (inkl. Download-Code) veröffentlicht.

Entzerrung: LabelMeudiademorte ::Entzerrung

Meudiademorte ::Entzerrung

Wie ist der korrekte Name des Labels? In welcher Stadt seid ihr zu Hause?
Gibt es Sublabel?
Meudiademorte! Wir sind in der einzigen Deutschen Stadt mit einem Französischen Namen zuhause: Saarlouis. Es gibt ein Sublabel namens Pizza Party Productions.

Warum habt ihr diesen Namen gewählt?
Was bedeuten die Namen von Labels für deren Arbeit?
So kann ich uns besser googlen. Ansonsten sind namen glaube ich relativ egal.

Wann wurde das Label ins Leben gerufen?
Was waren ursprüngliche Beweggründe, die ursprüngliche Idee?
Ich hab das Label 2003 mit einem Freund gegründet, um befreundete Bands bzw. internationale Bands, die uns gefallen, ein Forum zu bieten.

Wieviele Leute arbeiten für das Label?
Nur ich.

Welche Kriterien entscheiden darüber, ob ihr eine Platte veröffentlicht oder nicht?
Ich muss beim hören total durchdrehen und alle zwei Sekunden “Man, ist das geil” murmeln!

Vinyl, CD oder MP3? Und warum?
Vinyl oder Tape. Obwohl, bei MP3s muss man nichts mehr verschicken und kann auf der Couch liegenbleiben… Nein, doch lieber Vinyl oder Tape!

Welche Platte aus eurem Backkatalog repräsentiert das Label ästhetisch, ethisch und musikalisch am adäquatesten?
Es ist relativ unmöglich, nur eine einzige zu nennen!

Steve Gunn – Untitled (“Camel Throat”: Meudiademorte, 2010)
Sunburned Hand Of The Man – IV (“Locked/Loaded”: Meudiademorte, 2007)

www.meudiademorte.de

MusikstreifzugSaåad: Nebelfelder In Südfrankreich

[Saåad: Nebelfelder In Südfrankreich]

Die Klangexperimente des südfranzösischen Projekts SAÅAD bewegen sich wie riesige Nebelfelder über karge Herbstweiten: immer gleich und doch in Bewegung befindlich, sich laufend verändernd. Field Recordings, digitale und analoge Klangerzeuger sowie menschliche Stimmen werden verfremdet, in Hallfahnen gewickelt und zu rauschenden Konstrukten zwischen Noise, Drone und Ambient verknüpft. Weitflächige Soundfelder, ohne Anfang oder Ende, aber mit enormem Fluß und Sog; ideal um sich darin fallen und treiben zu lassen.

Die beiden SAÅAD EPs “Pink Sabbath” und “Raincoats” sind ursprünglich Mitte 2011 als Digital-Releases beim Netlabel Blwbck erschienen. Im Oktober 2011 hat Arty Empty beide EPs auf einer Compact Cassette veröffentlicht (RTMT002).

MusikstreifzugBlack Mountain Transmitter: Ein Dickicht Aus Grüblerischer Düsterfolklore

[Black Mountain Transmitter: Ein Dickicht Aus Grüblerischer Düsterfolklore]

Searchers after horror haunt strange, far places. (H.P. Lovecraft)

Mit seiner filigranen Schichtung von analogen Synthesizern, obskuren Electronica und Field Recordings irdischer Naturalklänge vertont der sich hinter BLACK MOUNTAIN TRANSMITTER verbergende Nordire J.R. Moore auf “Black Goat Of The Woods” die Welt von Shub-Niggurath, der schwarzen Ziege der Wälder, einer finsteren Gottheit aus Lovecrafts Cthulhu-Mythos.

Nebulöse Erscheinungen huschen durchs Dunkel, verzerrte Bilder winden sich. Eine kleine Melodie schiebt sich durch die zähe Masse gespenstischer Drones, nur um gleich wieder spurlos im Nichts zu verschwinden. Irgendwo in der Ferne, tief in einer Hallwolke verborgen, taucht eine Sakralorgel auf. Es dröhnt, brummt, ächzt, knarrt, blubbert, schabt und rauscht: die Sounds sind kaum identifizierbar, kaum lokalisierbar, der Klang im steten Wandel, die Stimmung mysteriös.

Dieses seltsame Ding namens “Black Goat Of The Woods” ist eine Art Endlos-Drone, eine Musik ohne notwendigen Anfangs- oder Endpunkt, ein immer weiter schreitendes Dickicht aus grüblerischer Düsterfolklore. Düsterambient vom Allerfeinsten!

Black Mountain Transmitter – Black Goat [excerpt] (“Black Goat Of The Woods”: Lysergic Earwax, 2009) [MP3]

Die im November 2010 von Aurora Borealis veröffentlichte CD-Version von “Black Goat Of The Woods” (ABX046) ist eine Neuauflage der ursprünglichen, längst vergriffenen CDr-Edition (2009) auf Moores eigenem Label Lysergic Earwax. Eine limitierte Auflage Tapes (90 St.) ist im September 2010 bei Auris Apothecary (AAX-021) erschienen und ebenfalls längst vergriffen.

MusikstreifzugDead Elephant: Markierer von Endlichkeit

[Dead Elephant: Markierer von Endlichkeit]

Auf ihrem neuen Album zeigen sich DEAD ELEPHANT noch versierter, intensiver und düsterer als auf dem ohnehin schon atemberaubenden Vorgänger „Lowest Shared Descent“! „Thanatology“ ist – wie die Wissenschaft, nach der es benannt ist – eine inhaltliche Beschäftigung mit psychologischen und soziologischen Aspekten des Todes, oder konkreter: mit dem Prozess des Akzeptierens von Verlusten. Vier detaillierte Klangkollagen setzen sich mit dem Konzept von Tod als Markierer von Endlichkeit und damit Wegbereiter von Wandel auseinander; es geht um Sterblichkeit, Wiedergeburt, Verschiebung von Körper und Geist sowie diverse spirituelle Zwischenzustände.

Die wahnwitzigen Distortion-Orgien des italienischen Trios sind hier weniger furios, weniger zügellos als in der Vergangenheit. Aus Schnipseln von NEUROSIS-Doom, OM-Mantras und Badalamenti-Jazz-Drones sowie Ein- und Umarbeitung von traditionellen, italienischen Trauermärschen hat die Band einen verschachtelten, sludgigen Noisecore zusammengeschraubt. Es sind die fesselnde Vielseitigkeit und die spannende Unvorhersehbarkeit, die „Thanatology“ zu einem wirklich herausragenden Album machen! Eine facettenreiche, intensive, schwere und herausfordernde Musik, die einem sehr eindrucksvoll verdeutlicht, wie eindimensional und langweilig die meisten anderen Bands in diesem Genre sind!

Die CD Version von “Thanatology” ist im Juli 2011 als REPOSECD028 bei Riot Season erschienen. Eine limitierte LP-Version (200 rot, 400 schwarz) ist in Co-Produktion von Riot Season, Shove Records und Sangue Dischi entstanden.

MusikstreifzugDalglish: Benacah Drann Deachd

dalglish-obscure

Dalglish ist eines der zahlreichen Synonyme, unter denen der in Berlin lebende Amerikaner Chris Douglas seine schrägen Elektronik-Verknotungen unters Volk bringt. Geschickt und feinfühlig verbindet er zeitgenössischen elektronischen Musik mit IDM, Industrial und Musique Concrète zu feingliedrigen Klanglandschaften zwischen AUTECHRE und Iannis Xenakis.

Das Dalglish-Album “Benacah Drann Deachd” überzeugt mit seiner aufregende Kombination von digitalen Glitches, Field Recordings und düster-kühlen Elektro-Ambienzen. Rhythmisch verschachtelte Mikro-Beats werden in Binär-Code zerlegt, ineinander geschoben und zu vielschichtigen Texturen verwoben. Noisige Synths schneiden wie Messer durch die Membranen der Lautsprecher, während unerklärliche und scheinbar wahllos umherwabernde Samples für beklemmende Atmosphäre sorgen.

Trotz des mechanischen Produktionsprozesses dieser tief elektronischen Musik, klingen die Tracks sehr organisch. “Benacah Drann Deachd”, das sind elf dystopisch-düstere Klangkonstrukte, die faszinieren und fesseln.

“Benacah Drann Deachd” ist eine Zusammenstellung von unveröffentlichtem Dalglish-Material aus dem Zeitraum 2001-2011. Das Album ist im Mai 2011 als Digital-Release beim englischen Label Highpoint Lowlife (HPLL057) erschienen. Via SoundCloud ist das Album komplett im Stream zu hören.

MusikstreifzugTerra Tenebrosa: The Tunnels

Terra Tenebrosa, by Johan Dahlroth

„The Tunnels“ ist das wilde, noisige, düstere und beklememnde Erstlingswerk der radikalen und avantgardistischen Krachformation TERRA TENBROSA. Grundlage des Sounds des schwedischen Trios ist das repetitiv-monoton scheppernde Schlagwerk, welches für ein unterkühltes Industrial-Feeling sorgt. Darüber schieben sich verzerrt-wirre Stimmbeiträge, tiefergestimmte, in dissonanten Anti-Harmonien wühlende Saiteninstrumente sowie wie grelle Lichtblicke durch das Klangdickicht dringende Synthies zu angeschwärzten Nebelschwaden in-, über- und durcheinander. Das Ergebnis ist ein fremd erscheinendes, verstörendes Klangbiest. Metal-Wurzeln sind nur noch als rudimentäre Basiselemente zu erkennen, verschüttet unter albtraumhaften Noise-Texturen und in ein pechschwarzen Mantel gehüllt. Erinnert in Sound und Ästhetik an das Frühwerk von NEUROSIS. Eine absolut hervorragende Scheibe!

“The Tunnels” ist im April 2011 bei, schwedischen Avantmetal-Gourmet-Label Trust No One (TNO037) auf CD erschienen. Die 2xLP-Version entstand in Kooperation von Trust No One und dem deutschen Apocaplexy-Label.

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