Nach dem “Doom, Sludge, Hardcore & Noise”-Mix liefert nun das Segment “Indie(rock) & Psychperiment” die Fortzsetzung des klingenden Jahresrückblicks. Genremäßig etwas unklar umrissen, aber in sich wunderbar konsistent. Überzeugt euch selbst. Der dritte und abschließende Teil “Ambient, Drone & Abstract” kommt dann Ende der Woche. Stay tuned!

Dieser Tage erscheint “This Alone Above All Else In Spite Of Everything”, das neue Album von BODUF SONGS – und obwohl dessen acht minimalistische Doomfolk-Songs unverwechselbar nach BODUF SONGS klingen, weiß der unter diesem Pseudonym opperierende, mittlererweile ins nordamerikanische Ohio übersiedelte Engländer Matt Sweet mit der Erweiterung des musikalischen und kompositorischen Materials zu überraschen.
Der minimalistische Ansatz früherer Releases ist geblieben, jedoch wurde die Experimentalität des Projekts verschärft und die Palette der verwendeten Instrumente gehörig erweitert. So wird etwa die Dominaz der Akustgitarren-Sanftheit durch den gelegentlichen, sinnvollen Einsatz von E-Gitarren und stampfenden Bass-Schlagzeug-Passagen etwas gebrochen. Zudem spielen nun subtil im Mix vergrabene sowie offensichtlich angebrachte Soundeffekte eine größere Rolle als zuvor und sorgen dafür, dass die Stücke facettenreicher und vielschichtiger daher kommen.
Insgesamt scheinen die Songs ausgereifter und ausgearbeiteter zu sein; der von Sweet kreierten Soundwelt wird nun die gleiche Aufmerksamkeit zu Teil, wie seinen lyrischen Gefühlsskizzen. Der Gesang bleibt stets ein huschendes Flüstern, die Instrumente klingen wie eine Sichtbarmachung von Dunkelheit.
“This Alone Above All Else In Spite Of Everything” ist eine herausragede Scheibe geworden, die viel Aufmerksamkeit bedarf, deren Schönheit aber wohl verpasst, wer nicht bereit ist, sich auf die obskuren Düsterpfade zu begeben, die Sweet akustisch frei legt. [via]
“This Alone Above All Else In Spite Of Everything” ist ab dem 6.September 2010 via Kranky als Vinyl und Download erhältlich.
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14 Jahre nach der Veöffentlichung des phänomenalen, apokalyptischen Folk-Psychperiments “Soundtracks For The Blind” und mehr als eine Dekade nach ihrer Stillegung hat Michael Gira seine Post-Punk/Art-Rock-Formation SWANS reaktiviert. Dies will er aber nicht als eselige Nostalgie-Reunion, nicht als Wiederbelebung der Vergangenheit verstanden wissen, sondern als tatsächliche, künstlerische Notwendigkeit:
After five ANGELS OF LIGHT albums, I needed a way to move forward, in a new direction, and it just so happens that revivifying the idea of SWANS is allowing me to do that. [via]
In neuer Besetzung wurde nun das Album “My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky” eingespielt. Im Hip-Magazin Quietus geht Gira auf jeden Song einzeln und im Detail ein. Als Previewmaterial hat die Formation aus New York City “Eden Prison” vorrausgeschickt, ein aus flirrend strömenden, nöligen Gitarrenlärm und Giras unverwechselbarer, bedrohlich dröhnender Stimme zusammengeschraubtes, sechsminütiges Klagelied.
“My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky” erscheint am 5.Oktober 2010 auf Giras eigenem Young God-Label und ist als Digipak-CD, LP+MP3 und MP3-Download zu haben. Ich bin gespannt.

What’s the full name of your label? Which city is the home of your label? Do you run any sub-labels?
Ipecac Recordings. Los Angeles, California. AntAcidAudio.
Why did you choose that name? Which meaning do names of labels have for their work?
King Buzzo, from the Melvins suggested Ipecac. Ipecac is a Brazilian medicinal herb that induces vomitting. Parents keep it on hand in case a child is joking. The music we put out has been known to make some people sick too.
When did you start the label? What where initial motivations, what the initial idea?
April 1 1999. We wanted a place where artists would have complete creative control of their art and get paid fairly. My partner, Mike Patton, is a musician who was looking for a home for a couple of his projects so we decided to do it ourselves.
How many people do work for the label?
Tricky question. We have many people that work for us that also work for other labels. We only have 3 full time dedicated Ipecac employees.
What criteria decide about whether you release a record or not?
We look for bands that are unique. No copy cats. We look for artists that have realistic goals. We also look for good people. We don’t put out too many releases. We want to be able to focus on each release.
Vinyl, CD or MP3? And why?
I prefer CD. Vinyl is more expensive and harder to ship or move. Although vinyl looks better. MP3 is air. Nothing to hold and look at and smell.
Which record from your back-catalog represents the label best, aesthetically, ethically and musically?
The Kids of Widney High “Let’s Get Busy” (IPC-5, Nov 1999). It is a record that was made for the love of music. No commercial goals. Does not fit any genre. Not considered hip. It was created by hard working people that enjoy the art of music.
„White Nights, Glowing Lights“ ist eine Scheibe, die mal düster, mal tolpatschig, mal verträumt, mal psychedelisch daher kommt, in dieser Vielfältigkeit und scheinbaren Zerissenheit aber wunderbar stimmig klingt. THE USE OF ASHES umwickeln auf ihrem siebten Studialbum das immer währende Akustikgitarren-Gerüst behutsam und gekonnt mit allerlei Instrumentarium, wie Sitar, Tabla und Bouzouki, Mellotron, so dass sich eine leicht schräge Fragilität ergibt, die das Ganze etwas surreal und leicht exzentrisch wirken lassen. Fast programmatisch thront eine irgendwie hoffnungsvolle Traurigkeit über dem Lo-Fi-Psychperiment der niederländischen Formation. Eine fruchtbare Zusammenbringung von neofolkiger Herangehensweise, düsterer, klaustrophobischer Grundstimmung und einem Hang zur cineastischen Inszenierung. Erinnert dabei dezent an Musiken von BODUF SONGS, MOTHLITE und vor allem THE OWL SERVICE. Das Album versprüht also eine Menge britischen Flair und überzeugt damit auf der ganzen Linie. (CE/I.2010)
Tonefloat / CD|LP: TF072 / Vö: Aug 2009
www.tonefloat.com | www.useofashes.com

Manche Labelmacher haben einfach ein enorm gutes Händchen in Bezug auf Ästhetik und Qualität abseits der etablierten Pfade. Es fällt mir verhältnismäßig leicht Brent Eyestone, Gründer und Kopf des in Fredricksburg, VA beheimateten Labels Magic Bullet Records, einen solchen musikpublizistischen Midas-Finger anzudichten. Was bleibt mir denn schon anderes über: Immerhin gehen alle drei Scheiben, die in den letzten Tagen hier auf Dauerrotation laufen, auf Herr Eyestones Rechnung.
Erste Perle, die mich in den letzten Tagen absolut in Verzückung versetzt hat ist ‘Decimal’ (MBL099, 2008) von RINGFINGER, dem quasi-Solo-Projekt von Tracy Wilson (dem ein oder anderen vllt bekannt als Sängerin der Mitte der 1990er aufgelösten, einflußreichen PostHC/Indie/Emo-Band DAHLIA SEED). Das Album ist eine Interessante Reise durch die Ambient-Indie-Welt; 12 Stücke die Zutaten von Shoegaze, Drone, Emo und Post-Rock auf wundersam mühelose Weise mit der zuckersüßen Stimme Wilsons verweben. Gute zehn Jahre hat sie an den Songs geschraubt. Eine lange Zeit; doch dafür gibt es gute Gründe:
Following a laundry lists of heartaches including divorce, moving to a new city where I knew almost no one, the loss of both my parents to two different terminal diseases, and a brother who was killed in an accident (the list goes on and on) … these events left me a shadow of a human being. At the end of it all I was desperate for something to throw myself into that wasn’t grief or self pity. My life goal slowly transformed from trying to keep my head above water to rediscovering who I was since everything that helped to define me was obliterated in a matter of just a few years. (Vgl. )
Wilson hatte sich also dieses Album vorgenommen um etwas zu haben an dem sie sich selbst aufrichten konnte. Auch weil sie den Prozess des daran Arbeitens als Seelenfrieden stiftend betrachtete. Hilfe hat sie dabei von einer ganzen Reihe befreundeter, namenhafter Musiker bekommen. So sind auf ‘Decimal’ u.a. Jonathan Fuller (ENGINE DOWN), Stephen Brodsky (CAVE IN), Aaron Turner (ISIS, OLD MAN GLOOM), J. Robbins (JAWBOX) und Oktopus (DÄLEK) mit musikalischen Beiträgen zu hören (Detailiertere Angaben zu den Gastbeiträgen siehe movementnews.blogspot.com). Diese Zusammenarbeiten scheinen unheimlich fruchtbar gewesen zu sein, denn hearusgekommen ist ein wunderbares Album, das irgendwie zuckersüß, aber dennoch leicht angeschrägt ist.
Ringfinger – Waving Goodbye (“Decimal”: Magic Bullet, 2008)

Hymnischer, orchestraler, eingängiger – aber ähnlich halbschräg geht der Portland-Sechser GOLDEN HOLY zu Werke. Auf deren selbtbetitelter Scheibe (MBL115, 2009) wird dezente Indie/Shoegazer-Musik mit neo-folkigem Lo-Fi-Feeling zu einem verschrobenen Gesamtsound verknüpft, dem ein latentes Kunsthochschul-Feeling anhängt und den ich mal vorsichtig mit “Psychperimental” beschreiben will. Das Album klingt durchgehend nach Bewegung, wirkt aber absolut beruhigend. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem schrullig-kuscheligen GRAILS-Nebenprojekt HOLY SONS sind nicht von der Hand zu weisen. Und das das Ganze hier und da mal nach einer weniger ausschweifenden Version von SPARROWES SWARM AND SING klingt ist kein Zufall: GOLDEN HOLY ist das neue Projekt von Jason Fiske, damals Mitglied der nun aufgelösten SSAS. Ein tolles Debüt und das sympathischste Geschrummel und Genuschel seit langem!
Golden Holy – Maybe The Books Were Wrong (“Selftitled”: Magic Bullet, 2009)

Auf der letzten Scheibe der MB-Lobpreisungs-Triade geht es etwas nun schwerer zugegen: ‘The Clearing’ (MBL113, 2009) von DISAPPEARER kommt zwar in einem unheimlich unschönen (aber immerhin gesiebdrucktem) Cover-Artwork daher, weiß aber musikalisch vollends zu überzeugen – lieber so, als anders herum (was in der derzeitigen Releaseflut leider allzuoft der Fall ist). Ich muss zugeben, dass die von Kurt Ballou aufgenommene Scheibe bei mir nicht sofort klick gemacht hat, nach mehrmaligem Hören aber nachhaltig zu überzeugen weiß. Die Jungs aus Boston, MA verbinden Sludge- und Doom-Atmosphärik mit dem Assirock-Feeling von den DOOMRIDERS (deren Jebb Riley übrigens auch Mitglied bei DISAPPEARER ist) zu wabernden, schwerfälligem Atmo-Rock, der zwar nah dran ist am derzeit so angesagten ISIS-Metal, sich aber woltuend autark davon bewegt. Sie lassen den mit viel Hall und Delays ausgestatteten Gitarren-Sound viel Raum sich auszubreiten, schaffen es aber diese Entfaltung nicht in einschläfernde Monotonie über zu strapazieren. Interessante Scheibe.
Disappearer – A Skull Full Of Bats (“The Clearing”: Magic Bullet, 2009)
Ganz frisch, ganz klasse: Eine neue Scheibe von HOLY SONS, dem Solo-Projekt von Emil Amos (GRAILS, OM). “Drifter’s Sympathy” heißt das Teil und ist mal wieder großartig! Im April via Important erschienen.






















