TextwerkCaldera | Mist Through Your Consciousness

caldera_mistthrough Mit “Is.Land” von TIME TO BURN haben uns Radar Swarm in diesem Frühling ja bereits ein absolutes Highlight beschert. Doch damit nicht genug: hier kommt die nächste hervorragende Veröffentlichung des französischen Labels – und meine Begeisterung für das, was da derzeit in dieser Richtung im frankophonen Europa passiert erhält neue Nahrung. CALDERA aus Nancy und Paris verknüpfen Prog- und Doom-Metal-Elemente mit Sludge moderner Prägung, bedienen sich aber auch gern mal ungeniert im Stoner- und Post-Rock-Lager. Die Franzosen kreieren daraus eine relativ eigene, rein instrumentale Musik, die zwar mit der selben düsteren Grundstimmung ausgestattet ist, die auch die Labelkollegen OMEGA MASSIF oder YEAR OF NO LIGHT auszeichnet, aber im Ganzen etwas verspielter und weniger zermürbend daher kommt. “Mist Through Your Consciousness” beherbergt insgesamt acht epische und kraftvolle Stücke, in denen immer ein Hauch von Metal-Chauvinismus steckt, die aber im Endeffekt viel zu filigran und mit viel zu viel sanftmütiger Schwere daher kommen, um irgendwas damit am Hut zu haben. Ein tolles Album, das auch trotz seiner allgegenwärtigen Düsterkeit ungemein erfrischend daher kommt. [OX#78]

Radar Swarm, Atropine / CD: RSR016, ATR004 / 2008
www.radarswarm.com | myspace.com/caldera666

Musikstreifzugis.land ist frankophon. wetten!?

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Nachdem der letzte Streifzug sich eher in ruhigen Gewässern abspielte, wird’s diesmal wieder turbulent, was soviel bedeuten soll wie: laut und extrem. Eine extrem gute Brutstätte dafür scheint derzeit der frankophone Teil Europas zu sein…

Der absolute Oberkracher ist das ganz aktuell via Basement Apes (CD) und Radar Swarm/Slow Death (LP, Ende Februar) veröffentlichte Album “Is.land” von TIME TO BURN aus Paris. Ich muss gestehen, mich hat seit langem kein Album so aus den Socken gehauen! Eine kraftvolle, dreckige, chaotische Walze; meine Herren! Hat so eine leichte Schweden-Kante, das Album. Erinnert auch etwas an die Radar-Swarm-Labelkollegen YEAR OF NO LIGHT, obwohl bei TIME TO BURN definitiv mehr die Post ab geht… Auch die verspielten, älteren Releases “Burn The Lie Down” (DIY, 2004) und “Starting point” (Basement Apes, 2005) haben es in sich, aber “Is.land” ist ein Monster von einem Album, das in einer eigenen Liga spielt. Versprochen!

Time To Burn – Nayeli (from “Is.Land” ©2007 Basement Apes/Radar Swarm)

Ebenfalls auf Radar Swarm (in Co-Produktion mit Atropine; ATR004/RSR016) haben CALDERA ganz frisch ihr Album “Mist Through Your Conciousness” auf CD veröffentlicht. Die machen so Shoegazing Metal, ein bissel doomig, aber eben ohne Gesang, langsam, aber nie langweilig, technisch hochwertig, ohne Nerven zehrend fummelig zu sein. Ziemlich gut!

Caldera – Coast Redwood (from “Mist Through…” ©2008 Radar Swarm/Atropine)

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Auch noch relativ frisch aus dem Hause Atropine kommt die selbstbetitelte CD (ATR002) von LLORAH. Diese Band aus Lyon geht, ähnlich wie ihre Atropine-Labelkollegen YEAR OF NO LIGHT, auf intensive Walz-Fahrt. Schleppend, druckig und mit heiserem, bellendem Gesang. Super Gitarrensound innen, super Artwork draußen. Überzeugt.

So, weiter geht’s mit den Perlen des kleinen “Swarm Of Nails” Labels. Dort stehen zwei wirklich beeindruckende Bands in den Startlöchern! Extrem guten Stoff liefern EINNA aus dem französischen Süden. Die spielen so ein bisschen rumpeligen Metal, mit Ambient-Passagen, Screamo-Anleihen und einer Prise Chaos. Ästhetische Parallelen zu den von mir geschätzten BURIED INSIDE (“Suspect Symmetrie”) sind durchaus vorhanden. Verdammt, sind die intensiv! Die 5-Song-EP “Les Angoisses d’Arcadie” (SONR03) kommt im März; zeitgleich mit der “Numbers”-EP von TORN IN MY PRIDE aus Belgien. Diese gehen in die selbe Richtung wie EINNA, legen in Punkto Tempo aber noch mal ‘ne Schippe drauf.

Mit TORN IN MY PRIDE zusammen auf Europa-Tour gehen im März/April die Belgier von ISAïAH. Diese Herren machen eigentlich klassischen Screamo, wie er sein sollte. Melodie, Tempo, Schreigesang, Herzschmerz: AMANDA WOODWARD, LA QUITE und SUIS LA LUNE lassen grüßen. Alles nicht neu, aber immer wieder berührend, wenn es gut (=von Herzen) gemacht ist; und das ist das hier, wie ich finde. Die wundervoll verpackte, selbstbetitelte CDR wird vom irgendwie sträflich unterbeachteten, belgischen Heart On Fire Label heraus gebracht (HOF011).

Zum Abschluss dann noch eine schön verspielte, aber druckige Post-Hardcore-Variante, offeriert von den SPINNING HEADS aus Villeveyrac. Die Songs auf deren 2005er Album “Change the Game” auf Radar Swarm/Basement Apes (CD) und Sedition (LP) sind insgesamt eher in langsamen Tempo gehalten, werden von viel Gitarren-Fummelei sowie Rhythmus- und Takt-Wechseln bestimmt; aber alles extrem gut gemacht! Vielleicht eine Mischung aus BOTCH und (frühen) FORSTELLA FORD, mit einer Prise Noise gewürzt!? Auf jeden Fall ein weiterer Beweis, dass im frankophonen Europa derzeit ordentlich was geht…

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